Sternenhimmel im Februar 2006


Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail zur Verfügung. Dazu bitte die Kontaktadresse auf dieser Website nutzen.



1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Nach Sonnenuntergang sehen wir noch einen spät-herbstlichen Sternhimmel, wie er im Dezember beschrieben ist. Bis um 22 Uhr indes wird der Sternhimmel sehr winterlich und die gesamte Prominenz des Winterhimmels, unter ihnen zahlreiche sehr bekannte Sterne, sind im Wintersechseck bereits hoch am Himmel zu sehen, während tief im Westen die Andromeda und der Perseus noch an vergangene Herbsttage erinnern.

Der Große Wagen ist im Norden unter dem Polarstern durchgewandert und zieht wieder "rückwärts" hinauf, während die Cassiopeia, ein Sternbild, das wie ein "M" aussieht, ihren höchsten Stand über dem Polarstern überschritten hat und wieder links nach unten gezogen ist. Im Zenit finden wir die helle Capella im Fuhrmann. Hoch im Westen kann man einen hellen Stern erkennen: das ist der Planet Mars, der in der Nähe der Plejaden steht. Weiter oben findet man den Hauptstern des Sternbildes Stier, den Aldebaran, rechts unterhalb hoch im Süden zunächst den Orion mit Beteigeuze und Rigel sowie den Großen Hund mit dem hellen Sirius. Bald im Zenit stehen die Zwillinge und unter ihnen hoch über dem Großen Hund der helle Stern Procyon im Kleinen Hund.

Bereits hoch im Osten steht der Saturn der Planet mit den berühmten Ringen, links unterhalb der Zwillinge und ebenfalls schon halbhoch können wir unter dem Saturn das Sternbild des Löwen, einen ersten Boten des bevorstehenden Frühlings, erkennen. Bei guter Sicht kann man tief im Osten in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagens bereits Arktur aufgehen sehen.

Wintersechseck
Das Wintersechseck ist in gelber Farbe markiert. In diesem Areal befindet sich über die Hälfte der hellsten, bei uns sichtbaren Sterne.


Frühaufsteher können auch im Februar zu Beginn des Monats noch den Sternenhimmel am Morgen bewundern; das Wintersechseck ist nun im Westen bereits großenteils untergegangen, nur noch die Capella und zu Monatsbeginn die Zwillinge können bei guter Horizontsicht tief im Westen erspäht werden. Über den Zwillingen steht tief im Westen der Ringplanet Saturn und über ihm ist sehr schön der Löwe zu sehen, auch die verlängerte "Achse" der Deichsel des Großen Wagen, die aus Arktur und der Spica besteht, steht über uns hoch am Himmel; links unterhalb der Spica strahlt der helle Riesenplanet Jupiter. Im Osten ist bereits das Sommerdreieck aufgegangen und am Osthorizont kann man ein gleichseitiges Dreieck, an dessen unterer rechten Kante zwei Sterne stehen, sehen; die untere linke Ecke dieses Dreiecks ist Scheat im Herbst- bzw. Pegasusviereck.
Tief im Osten kann vor Sonnenaufgang die Venus erspäht werden.


2. Aktuelles: Der Ringplanet Saturn

Saturn Am Abendhimmel ist nun sehr schön der Planet Saturn als Stern erster Größe zu sehen, dem dieses Monatsthema gewidmet ist.

Der Saturn ist ein etwa zehnmal größerer "Bruder" unserer Erde, d.h. er umkreist wie unsere Erde die Sonne. Solche Geschwister der Erde nennt man "Planeten", wenn sie einen Durchmesser von über 2000 km haben. Derzeit sind 10 solcher Planeten in unserem Sonnensystem bekannt; man kann sie in drei Gruppen einteilen: Die vier erdähnlichen Planeten: Merkur, Venus, Erde und Mars, die vier Gasriesen: Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun sowie die Planeten des Kuipergürtels: Pluto und der im Juli entdeckte 10. Planet, der erst einen vorläufigen Namen "Xena" erhalten hat.

Gut möglich, dass sich in den Weiten des Kuipergürtels unseres Sonnensystems noch weitere Planeten aufhalten, die bislang noch nicht entdeckt worden sind; so hat man beispielsweise eine kleine Schwester der Erde mit ca. 1600 km Durchmesser namens Sedna entdeckt, deren hoch-elliptische Umlaufbahn fast 1000x weiter herausführt als diejenige der Erde. Andere kleine Geschwister der Erde wie der gut 1200 km große Quaoar laufen auf einer beinahe kreisförmigen Bahn in eineinhalbfacher Neptun-Entfernung um die Sonne.

Der größte "Bruder" der Erde ist der Jupiter, der zweitgrößte der Ringplanet Saturn. Schon vor mehreren hundert Jahren wurde sein Ring entdeckt; heutzutage weiß man, dass alle 4 Gasriesen unseres Sonnensystems von einem solchen Ring umgeben sind. Der Saturn hat die geringste Dichte aller bekannten Planeten unseres Sonnensystems: im Wasser würde er schwimmen!
Titan
Titan ist der zweitgrößte Mond im Sonnensystem
Während der Jupiter von 4 großen sowie zahlreichen sehr kleinen Monden umgeben ist, ist der Saturn nur von einem großen Mond - dem Titan, der der zweitgrößte Mond unseres Sonnensystems ist, sowie mehreren Monden der 1000 km-Klasse umgeben. Seit über einem Jahr werden der Saturn und seine Monde von einem modernen Raumschiff namens Huygens genau aus der Nähe untersucht. Dabei konnte eine Sonde namens Cassini abgekoppelt werden, die auf dem größten Saturnmond Titan weich landete; siehe hierzu das Highlight dieses Monats. Zudem gelangen spektakuläre Bilder des 500 km großen Eismondes Enceladus, der sogar eine sehr dünne Atmosphäre hat. Man konnte aktive Eisvulkane fotografieren und vermutet, dass er ebenso wie der zweite Jupitermond Europa einen Ozean aus Wasser unter seiner Oberfläche haben könnte, in dem sich sogar einfachste Lebensformen entwickelt haben könnten. Über diesen interessanten Mond, der ebenso wie der Titan und zweifelsohne auch der Jupitermond Europa Ziel weiterer Missionen werden dürfte, wurde bereits im Highlight des Monats September berichtet.

Weitere Rückschlüsse erhoffen sich die Forscher auch von den großen Saturnmonden Rhea und Japetus; letzterer ist schon in Fernrohren unterschiedlich hell und frühere Missionen haben bereits den Verdacht bestätigt, dass dieser Mond eine hellere und eine dunklere Seite hat, sowie von den übrigen Saturnmonden und natürlich vom Saturn selber.

mehr zu den Planeten ->


3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Ausgangspunkt unserer Sternenwanderung im Februar ist das auffällige und bekannte Sternbild des Himmelsjägers Orion, welches nun hoch im Süden steht. Schön sieht man die beiden Schultersterne, drei eingeschnürte Gürtelsterne sowie zwei Fußsterne. Der linke Schulterstern wird von der Beteigeuze, einem prominenten Roten Riesen, markiert, diagonal gegenüber findet man den rechten Fußstern Rigel, beides Sterne von sogar 0. Größe, die so hell sind wie Arktur, Wega, Capella und Procyon. Der rechte Schulterstern des Orion heißt Bellatrix. Zwischen dem Oriongürtel und dem unteren Fußstern kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen, der das am Gürtel steckende Schwert des Orion markiert.
Weit links unterhalb von Rigel kann man hoch über dem Südhorizont den hellsten Fixstern überhaupt, den hellen Hundsstern Sirius, und bei guter Horizontsicht tief im Süden sogar den gesamten Großen Hund erspähen, der im Januar-Beitrag vorgestellt wurde. Vom Sirius steil links hinauf sieht man den Stern Procyon im Kleinen Hund. Die Sterne Beteigeuze, Sirius und Procyon bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, welches auch "Winterdreieck" genannt wird.

Im Zenit finden wir die helle Capella, die man auch finden kann, indem man vom dritten Stern des Cassiopeia-M zwischen dem vierten und fünften Stern des M hindurch verlängert und südlich der Capella sieht man hoch am Himmel zwei übereinander liegende Sterne; das sind die Zwillinge hoch oberhalb von Procyon im Kleinen Hund.

Der Planet Mars ist immer noch ein auffallend heller rötlicher Stern, der bereits deutlich nach Westen weiter gezogen ist; er wird im Februar in das "goldene Tor der Ekliptik" eintreten, welches von den Plejaden und den Hyaden (mit Aldebaran) gebildet wird (siehe März-Beitrag).

Sternbild Löwe Der Löwe

Bereits hoch im Osten steht links unterhalb der Zwillinge der Saturn, der Planet mit den berühmten Ringen. Ebenfalls schon halbhoch sehen wir unter dem Saturn zwei helle Sterne; das sind die ersten Boten des bevorstehenden Frühlings: zwei Sterne des Sternbildes Löwe; der rechte und hellere ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blau-weißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten oder vom Mond bekommt. Der linke heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Roten Riesen, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

zum Verzeichnis der Sternnamen ->

4. Highlight: Die Landung auf dem Saturnmond Titan

Radarbild
Die Oberflächenstruktur wurde mit Hilfe von Radaraufnahmen sichtbar
Im Januar letzten Jahres gelang der ESA mit der Raumsonde Cassini, die von der NASA-Sonde Huygens zum Saturn getragen wurde, eine spektakuläre Landung auf dessen größten Mond Titan. Beim Landeanflug konnte man Aufnahmen von küstenähnlichen Landschaften ebenso wie Flusslandschaften ausmachen, wobei diese Aufnahmen noch ausgewertet werden. Nach Landungen auf dem Mond, dem Mars und der Venus ist der Saturnmond Titan erst der vierte größere Himmelskörper unseres Sonnensystems, auf dem eine von Menschenhand geschaffene Sonde weich gelandet ist. Die Aufnahmen des Landeplatzes zeigen eine wüstenartige Struktur mit größeren Steinen.
Oberfläche Aufnahme nach der Landung


Warum wurde eine solche Landung ausgerechnet auf diesem Saturnmond durchgeführt? - Der Titan ist der zweitgrößte Mond unseres Sonnensystems und lange Zeit glaubte man, dass er der einzige Mond unseres Sonnensystems ist, der sogar eine Atmosphäre hat. Inzwischen konnte man auch bei der Enceladus eine sehr dünne Atmosphäre nachweisen. Die Atmosphäre des Titan indes ist so dicht, dass es ebenso wie bei der Venus nicht möglich ist, durch die Wolken hindurch die Oberfläche zu sehen. Es wird vermutet, dass auf dem Titan Bedingungen herrschen, wie sie auf der Erde in ihrer Frühzeit geherrscht haben könnten, so dass sich die Wissenschaftler wertvolle Erkenntnisse im Verständnis der Entstehung des Lebens versprochen haben. Die Auswertung der Datenflut wird noch Jahre in Anspruch nehmen.




Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von der NASA, der ESA und anderen Raumfahrts- und Astronomie-Organisationen. Das Nutzungsrecht dieser Organisationen besagt, dass ihre Bilder für Zwecke der Bildung frei verwendet werden dürfen.

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