Sternenhimmel im Februar 2007


  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Monatsbeitrag: Das Sternbild des großen Hundes
  3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  4. Der McNaught'sche Komet (C/2006 P1)

Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail (an kontakt(at)jugendforum-mithila.de) zur Verfügung.


1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Im Februar präsentiert sich der Sternenhimmel unmittelbar nach Sonnenuntergang noch spät-herbstlich, doch rasch gehen am Osthimmel im Halbstunden-Takt helle und sehr bekannte Sterne auf. - Das Sommerdreieck ist schon teilweise untergegangen, halbhoch im Westen kann man nach Sonnenuntergang Deneb noch gut erkennen und bei guter Horizontsicht kann man tief im Nordwesten auch die Wega funkeln sehen, während das Herbstviereck mit der Andromeda und dem Perseus ebenso wie die helle Capella im Fuhrmann und die Plejaden hoch über uns am Himmel stehen, gefolgt von Aldebaran, dem Hauptstern des Sternbildes des Stieres, dem berühmten Orion, dann den Zwillingen, schließlich Procyon und als Krönung dem hellen Sirius. Diese Sterne bilden auch das berühmte Wintersechseck. Diese Sterne stehen um 22 Uhr bereits hoch am Himmel und auch der Löwe ist mit dem hellen Ringplaneten Saturn bereits im Osten aufgegangen.

Der Große Wagen zieht wieder "rückwärts" im Osten immer höher hinauf, während die Cassiopeia sich nun im Westen rasch abwärts senkt. Gegen Monatsende kann man - wenn man die Deichsel des Großen Wagen verlängert - tief im Osten bereits den hellsten Fixstern der Nordhalbkugel, Arktur im Bärenhüter, über dem Horizont aufgehen sehen.

Am Abend kann man kurz nach Sonnenuntergang tief am Westhorizont die helle Venus erkennen.

Am Morgenhimmel sind die Wintersterne nun wieder untergegangen. Der Löwe mit dem hellen Saturn ist bereits weit in den Westen gewandert und auch Arktur und die Spica haben die Südlinie überquert und man kann mit Gemma und Ras Alhague schon zwei weitere Frühlingssterne bewundern; Gemma ist der äußerste Stern einer zweiten größeren Deichsel, die bei Arktur anfängt und die auf Ras Alhague im Schlangenträger zeigt. Das Sommerdreieck ist bereits ebenso wie Antares im Skorpion aufgegangen, und am Osthorizont kann man den hellen Jupiter und den rötlichen Mars bewundern. Spiegelt man Deneb an der Linie Wega-Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague.

Aus aktuellem Anlass wird in der vierten Rubrik die Erscheinung des McNaught'schen Kometen erläutert.

2. Monatsbeitrag: Das Sternbild des großen Hundes

Tief im Winter kann man bei guter Horizontsicht das bekannte Sternbild des Großen Hundes erkennen, das in unseren Breitengraden nicht sehr hoch über den Horizont gelangt, das aber dank seiner hellen Sterne bei halbwegs guten Sichtbedingungen dennoch gesehen werden kann. Der Große Hund begleitet der Tradition zufolge den Himmelsjäger Orion bei seinen Ausflügen. Dieses Sternbild besteht aus zwei nebeneinander liegenden Sternen im oberen Teil sowie einem nach unten geöffneten Dreieck im unteren Teil. Bei seinem Aufgang ist der Große Hund etwas kopflastig, so dass sich der untere Hundsteil schräg links unterhalb befindet. Im oberen Teil steht an der linken Seite - an der Schnauze des Großen Hundes - der alles überragende, hellste Fixstern des Himmels, der Sirius, das heißt "der Strahlende", ein Stern von sagenhafter, fast -2. Größe! Im Vergleich zu ihm fallen die übrigen Sterne dieses Sternbildes ab, zumal sie sich durch den Horizontdunst durchsetzen müssen, so dass ein Beobachter in unseren Breiten oftmals gar nicht bemerkt, dass der Große Hund aus Sternen besteht, die bezüglich Helligkeit denen des Orion in keiner Weise nachstehen! Der Sirius ist ein sehr naher weißlicher Stern im Abstand von nur 8.6 Lichtjahren; er hat einen bekannten Begleitstern, nämlich einen nur in großen Teleskopen sichtbaren Weißen Zwerg: das ist ein hochkomprimierter Stern, und zwar der Endzustand für Sterne, die nicht mehr als das 1.4fache der Masse unserer Sonne haben. Der Sirius steht also im Sternbild des Großen Hundes und wird deswegen auch oftmals als "Hundsstern" bezeichnet. So redet man von den "Hundstagen" wenn die Sonne im Sommer in der Nähe des Sirius steht.

Man kann sich vorstellen, dass der Große Hund zum Orion schauend pfötchengebend am Himmel steht; an seiner oberen Vorderpfote steht rechts neben dem Sirius der Stern Mirzam, ein über 500 Lichtjahre entfernter blau-weißlicher Riesenstern.

Bildliche Darstellung des Großen Hundes. Nach Jehoshaphat Aspin, 1850
. Mirzam bedeutet "Stern, der (dem Sirius) vorausgeht". - Im unteren Sternbildteil sieht man ein Dreieck von hellen Sternen; an der Spitze dieses Dreieckes sieht man am Rücken des Hundes einen Stern beinahe erster Größe namens Wezen; er ist ein sehr weit entfernter weiß-gelblicher Riesenstern im Abstand von 2000 Lichtjahren. Wezen bedeutet "das Gewicht"; in der Mythologie verkörperte Sirius auch den schakalköpfigen Gott Anubis, der wie der griechische Gott Hermes die Verstorbenen in die Unterwelt begleitete. Dabei wog er die Seelen der Verstorbenen auf der Waage der Gerechtigkeit.

Links unter Wezen sieht man am Oberschenkel des Hundes den Stern Adhara, der sogar erste Größe erreicht; die Adhara ist ein bläulicher Riesenstern im Abstand von 500 Lichtjahren. Der Name Adhara bedeutet "die Jungfrauen". Der linke untere Stern dieses Dreieckes heißt Aludra und markiert das Schwanzende des Hundes. Er ist ebenfalls ein sehr weit entfernter blau-weißlicher Stern im Abstand von 3200 Lichtjahren. Aludra heißt "die Jungfernschaft". Diese beiden Sterne scheinen also mythologisch einer anderen Tradition zu entstammen.

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3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Die auffälligsten Sterne im Februar sind die helle Capella im Fuhrmann fast senkrecht über uns, der figürliche Orion hoch im Süden mit seinen zwei Schultersternen Beteigeuze und Bellatrix, den drei Gürtelsternen sowie seinen beiden Fußsternen, sowie links vom Orion der sehr helle Sirius im Großen Hund, dem hellsten Fixstern überhaupt.

3.1 Das obere Wintersechseck: Fuhrmann und Stier

Im Osten ist nun das aus bekannten und sehr hellen Sternen bestehende Wintersechseck vollständig aufgegangen. Schon hoch am Himmel kann man fast über uns die sehr helle Capella im Fuhrmann bewundern. In Wirklichkeit ist sie ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein", und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella. Links unterhalb der Capella steht ein Stern heller als 2. Größe, das ist Menkalinan; das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt". Menkalinan ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren. Schräg rechts unterhalb der Capella steht ein weiterer heller Stern 1. Größe, das ist Aldebaran, der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran", was "der, der nachfolgt" bedeutet, und zwar den Plejaden, die man links oberhalb von Aldebaran bewundern kann. Aldebaran ist also der Stern, der den Plejaden nachfolgt, er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres.

Geht man von der Capella zu Aldebaran und knickt auf halbem Wege ein bisschen nach unten ab, so trifft man auf einen Stern beinahe 1. Größe namens El Nath; er ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren. El Nath bedeutet "Horn (des Stieres)" und ist der zweithellste Stern im Sternbild des Stieres. Dieser Stern steht in der gegenüberliegenden Ecke zur Capella im "erweiterten" Fuhrmann.

Südwestlich des Fuhrmann kann man noch einige Herbststerne erkennen; zählt man die Sterne der Cassiopeia von links unten nach rechts oben durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung der beiden ersten Cassiopeia-Sterne zum dritten Andromedastern Alamak; das heißt "Wüstenluchs", und er ist ein Stern zweiter Größe, ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-M eine Linie durch den vierten Stern des M zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-M zwischen dem vierten und fünften Stern des M hindurch zur hellen Capella im Fuhrmann.

3.2 Das Sternbild des Orion

Orion wandert im Laufe des Abends über den Südosthimmel
Unterhalb des Stieres kann man ein auffallendes Sternbild mit sehr hellen Sternen bewundern: das ist das berühmte Sternbild des Orion mit zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen. Manche Kulturen sehen in ihm einen großen Schmetterling. Der linke Schulterstern wird von der Beteigeuze, einem prominenten Roten Riesen im Abstand von 400 Lichtjahren, markiert, diagonal gegenüber findet man den ebenfalls sehr bekannten rechten Fußstern Rigel; beide sind Sterne von sogar 0. Größe, und Rigel ist sogar so hell wie Arktur, Wega und Capella. Der rechte Schulterstern des Orion heißt Bellatrix, sie ist so hell wie El Nath im Sternbild des Stieres. Beteigeuze bedeutet "Schulter des Riesen", Rigel bedeutet "Fuß (des Riesen)" und ist ein weit entfernter blauweißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Der Name der Bellatrix entstammt nicht der Mythologie, sondern bedeutet "Kriegerin". Auch die Bellatrix ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Alnilam und Alnitak - der mittlere und der untere Stern des Oriongürtels - beide sind blauweißliche Riesensterne im Abstand von rund 1000 Lichtjahren, sind wie die Bellatrix ebenfalls Sterne beinahe erster Größe! - Ihre Namen bedeuten "Anordnung von Perlen" und "Gürtel".

Der obere Gürtelstern Mintaka - das bedeutet "Gürtel" - ist ein Stern 2. Größe, ebenfalls blauweißlich im Abstand von fast 1000 Lichtjahren. Zwischen dem linken Teil des Oriongürtel und dem unteren Fußstern, der Saiph heißt, kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen, der quasi "herunterhängend" das Schwert des Orion markiert, welches an seinem Gürtel steckt; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße. Saiph ist ebenfalls ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 1000 Lichtjahren und bedeutet "Schwert"; das Schwert des Orion reicht also bis zu seinem rechten Fuß.

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3.3 Der Sirius und das übrige Wintersechseck

Das prachtvolle Wintersechseck.
Links unterhalb des Orion kann man im Südosten den hellsten Fixstern überhaupt am Himmel erkennen, das ist der Sirius im Großen Hund, der auch "Hundsstern" genannt wird. Links über dem Sirius steht ein weiterer Stern 0. Größe, das ist Procyon im Kleinen Hund; Procyon bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)"; dieser Stern kündigt am Abend den Aufgang des hellsten Fixsternes Sirius an. Beide sind sonnennahe Sterne; der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weiß-gelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren. Beide Sterne haben einen Begleitstern, der aus hochkomprimierter Materie besteht, sogenannten Weißen Zwergen. Solche Sterne sind auch heutzutage wichtige Forschungsobjekte in der Astronomie.
- Weiter oberhalb, etwas links, kann man die beiden Sterne der Zwillinge nebeneinander sehen, der südliche heißt Pollux und der andere heißt Castor.

Pollux ist der Zwillingsstern auf Seite von Procyon - beide fangen mit "P" an und Castor derjenige auf Seite der Capella - beide fangen mit "C" an. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von Arktur, also gut 30 Lichtjahre entfernt, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren. Zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht fast in der Mitte ein weiterer Zwillingsstern, der etwas heller als 2. Größe ist, das ist die Alhena am Fuße des Zwillings Pollux. Sie entstammt einer anderen Mythologie, denn Alhena bedeutet "das Zeichen (auf dem Hals des Kameles)". Sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; innerhalb dieses Sechseckes finden wir auch die Beteigeuze. Die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe ist hier versammelt, außerdem auch Bellatrix, Alnilam, Alnitak und El Nath, helle Sterne, die beinahe die 1. Größe erreichen.

Zudem bilden die drei Sterne Beteigeuze, Sirius und Procyon ein fast gleichseitiges Dreieck, das gelegentlich auch "Winterdreieck" genannt wird.

3.4 Die ersten Frühlingssterne

Östlich des Wintersechseckes sehen wir drei helle Sterne; der hellste von ihnen ist der Planet Saturn und die beiden anderen sind bereits die ersten Boten des bevorstehenden Frühlings: zwei Sterne des Sternbildes Löwe; der hellere etwas östlich vom Saturn ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blau-weißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten wie derzeit vom Saturn sowie vom Mond bekommt. Der linke heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Roten Riesen, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

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4. Der McNaught'sche Komet (C/2006 P1)

In der zweiten Januarwoche wurde in der Tagespresse die Beobachtbarkeit eines McNaughtschen Kometen bekanntgegeben, welcher der hellste Komet seit über 30 Jahren sei. Solche Informationen sind zwar "richtig", aber auch sehr irreführend. Weswegen?

Kometen sind letztlich kleine Brüder oder Schwestern unserer Erde, welche hoch-elliptische Bahnen um die Sonne aufweisen. Obgleich aufgrund neuester NASA-Missionen dieses Bild modifiziert werden muss, taugt es nach wie vor ausgezeichnet für eine anschauliche Erklärung:

Kometen sind eine Art schmutzige Schneebälle, die mehrere Kilometer groß werden können. Wenn so ein schmutziger Schneeball in die "Nähe" der Sonne kommt, so verdampfen Teile von ihm und bilden eine Art große Wolke um den Kometen; diese nennt man Koma und ist groß genug, dass man sie beobachten kann. Somit sind Kometen in Sonnennähe am besten beobachtbar. Das hat aber den Nachteil, dass diese Kometen dann von der Erde aus gesehen in der Nähe der Sonne stehen, also wie Venus oder Merkur "Abendsterne" bzw. "Morgensterne" sind, so dass man sie also kurz nach Sonnenuntergang bzw. kurz vor Sonnenaufgang beobachten kann. Und da die Sonne ja am
Horizont auf- und untergeht, stehen diese Kometen dann eben auch am Horizont und genau hier liegt das Problem: In unseren Breitengraden hat man am Horizont meistens sehr schlechte Beobachtungsbedingungen, selbst sehr helle Sterne kann man am Horizont fast nie beobachten.

Das hat dann auch zur Folge, dass die Rekordhalter bezüglich Kometenhelligkeiten ausnahmslos Kometen sind, die nur vom Sonnenbeobachtungssatelliten aus gesehen wurden; weil sie so unmittelbar in der Nähe der Sonne standen, waren sie von der Erde aus nicht sichtbar. All' die prominenten Kometen - Halley 1910, West 1976 (der vor über 30 Jahren), Hyakutake 1996 oder Hale-Bopp 1997 - sie alle tauchen in dieser Liste nur irgendwo weit hinten auf, ebenso wie die letzten guten Feldstecher-Kometen Ikeya-Zhang 2002, NEAT 2004, Machholz 2005 und SWAN 2006, die alle knapp von bloßem Auge sichtbar waren. - Das zeigt uns deutlich, wie wenig aussagekräftig solche Zahlenangaben sind.

Der McNaught'sche Komet war nun ein "Kompromiss"-Komet: Er stand "etwas" weiter von der Sonne entfernt, war aber dennoch so hell, dass man ihn bei guter Horizontsicht für eine halbe Stunde sehen konnte. Am Samstag, 13. Januar 2007, waren die Sichtbedingungen auch in unseren Regionen so gut, dass tatsächlich eine Beobachtung möglich war. Der Komet war sehr schön in der noch hellen Dämmerung zu sehen; von bloßem Auge war deutlich ein Fleck erkennbar, der im 10x50 Feldstecher ein eindrucksvolle Schauspiel bot: ein Schweif, der senkrecht nach oben lief und aussah wie eine Art Springbrunnen auf dem Kopf. Von der Koma (Gashülle des Kometen) ausgehend verzweigten sich wie mehrere "Teil"-Schweife, je am rechten und linken Rand des Schweifes die markantesten. Der Komet erreichte die Helligkeit der links oberhalb von ihm stehenden Venus.

Nachdem der McNaught'sche Komet seinen sonnennächsten Punkt durchlaufen hatte, wanderte er am Himmel rasch südwärts, wo er in der zweiten Januar-Hälfte auf der Südhalbkugel der Erde ein großartiges Schauspiel geboten hatte, welches ihn zum ersten Jahrhundert-Kometen des 21. Jahrhunderts macht. Leider war dieses schöne Schauspiel aber von unseren Breitengraden aus nicht zu bewundern, aber einige Amateurfotos können einen Eindruck davon vermitteln.

Es gibt übrigens noch einen zweiten Teil der Umlaufbahn, an dem man Kometen oft gut beobachten kann, nämlich dann, wenn sie in der "Nähe" der Erde sind - das sind dann typischerweise die schönsten Beobachtungsmöglichkeiten, weil man dann diese Kometen auch schön nachts ungestört von Dämmerungsphänomenen, Horizontnähe und Sonnenähe beobachten kann.

Es gibt übrigens noch einen zweiten Kometen McNaught (C/2006 L2), der aber nur mit einem Fernrohr beobachtbar ist.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Kometen-Bilder wurden freundlicherweise von Trevor McGavin zur Verfügung gestellt. Er hat die Aufnahmen zwischen 19. und 23. Januar 2007 in Greytown, Australien, aufgenommen.
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