Sternenhimmel im Juli 2007

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Raumsonden und die Relativitätstheorie
  3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  4. Sternbild des Monats: Der Schwan

Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail (an kontakt(at)jugendforum-mithila.de) zur Verfügung.


1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Im Juli verbleibt der Sternhimmel in Ruhe; nach Sonnenuntergang kann man noch tief im Westen den Löwen erkennen. Der Sommer-Sternhimmel wird von den beiden Sternen Arktur im Bärenhüter und der Wega in der Leier beherrscht. Die Spica in der Jungfrau steht halbhoch im Südwesten und das Sommerdreieck ist bereits hoch hinaufgezogen. Im Süden kann man bei guter Sicht auch das sehr schöne und figürliche Sternbild des Skorpion mit dem tiefroten Hauptstern Antares bewundern.

Der Große Wagen steht nun auf dem Kopf oberhalb vom Polarstern, während die Cassiopeia nur noch bei guter Horizontsicht tief im Norden gesehen werden kann.

Am Abend kann man bereits in der Dämmerung im Westen die sehr helle Venus bewundern; schon vor Mitternacht findet man halbhoch im Osten den hellen Planeten Jupiter. Der nun wieder heller werdende Mars kann vor allem in der zweiten Nachthälfte bewundert werden.


2. Raumsonden und die Relativitätstheorie

Beim Gyroskop handelt es sich um eine Kugel, die sehr schnell rotiert. So können kleinste Abweichungen gemessen werden. Bild: Gravity Probe B
In jüngster Zeit haben zwei Raumsonden in wissenschaftlichen Kreisen große Beachtung erfahren, weil es gelungen ist, Vorhersagen der Relativitätstheorie zu überprüfen. Eine dieser beiden Satelliten ist die "Gravity Probe B", mit der zwei nicht so gut bekannte Phänomene der Relativitätstheorie nachgemessen werden konnten, nämlich die gekrümmte Raumzeit und der Lense-Thirring-Effekt.

Gekrümmte Raumzeit

Die allgemeine Relativitätstheorie sagt voraus, dass eine Masse im Raum die lokale Raumzeit verformt. Unsere Erde ist ja eine solche Masse und mit hochpräzisen Gyroskopen - das sind Kreisel - ist es dieses Jahr tatsächlich gelungen, nachzuweisen, dass unsere Erde tatsächlich eine kleine "Delle", also eine Krümmung in der Raumzeit erzeugt.

Lichtablenkung durch die Sonne gemessen von Cassini. Quelle: NASA

Lense-Thirring-Effekt

Die allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein sagt voraus, dass die Rotation einer Masse im Raum die lokale Raumzeit mit sich zieht und diese dadurch verdrillt; das Experiment in der Gravity Probe B Sonde misst kleinste Änderungen in der Ausrichtung der Rotationsachsen von vier solchen Hochpräzisions-Gyroskopen. Es ist gelungen, die gekrümmte Raumzeit auf 0.01% und den Lense-Thirring-Effekt auf 1% zu überprüfen.

Lichtablenkung an der Sonne

Die Saturnsonde Cassini hat nicht nur großartige Bilder vom Saturn, seinen Ringen und seinen Monden fotografiert und zur Erde gesandt, sondern auch die Relativitätstheorie bestätigt. Die Saturnsonde hat nämlich, zehnmal weiter entfernt als die Sonne von der Erde, die von der allgemeinen Relativitätstheorie vorausgesagte Lichtablenkung der Masse von der Sonne, auf 5 Kommastellen genau nachweisen können.


3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Ausgangspunkt unserer Himmelswanderung im Juli ist wieder der Große Wagen: Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.


Ausschnitt aus dem Sternenhimmel im Juli mit Blickrichtung Südosten. Bei Klick auf die Lupe werden die beschriebenen Verbindungslinien und das Sommerdreieck vergrößert dargestellt

Auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel, deren äußerer Stern Gemma heißt; das ist der Hauptstern der Nördlichen Krone. Gemma bedeutet "Edelstein" und ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren; wie die meisten Sterne des Großen Wagen (mit Ausnahme des oberen hinteren Kastensternes sowie des äußeren Deichselsternes) gehört auch die Gemma zum Bären-Strom, einer Gruppe von Sternen, die gemeinsam an unserer Sonne vorbei durch unsere Milchstraße ziehen; auch der Sirius gehört diesem Bärenstrom an. - Der mittlere Stern dieser größeren Deichsel heißt Mirak. Das bedeutet "Umhang" und er ist wie Arktur ein Roter Riese, der allerdings mit fast 200 Lichtjahren mehr als sechsmal weiter entfernt ist; auch Mirak gehört zum Bärenhüter und ist ebenfalls ein Stern 2. Größe.

Zwischen Arktur, dem Sommerdreieck und dem Skorpion finden wir die weniger bekannten Sternbilder der Schlange und des Schlangenträgers, die allerdings vorwiegend aus Sternen 3. Größe bestehen. Man kann sie aber mit der größeren Arktur-Gemma-Deichsel und dem "Himmelslineal" sehr schön und einfach finden: Diese Arktur-Gemma-Deichsel weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger hin, der nun im Südosten steht. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren. Auf dem Weg von der Gemma zu Ras Alhague kommt man an Rutikulus, dem hellsten Stern des Sternbildes Herkules, vorbei. Dieser ist ein Stern beinahe 2. Größe und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Und neben Ras Alhague sieht man auch den Hauptstern des Herkules, einen Stern 3. Größe namens Ras Algethi, was "Kopf des Knienden" bedeutet. Ras Algethi ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren.

Man betrachte nun die Arktur-Gemma-Deichsel und spiegelt ihren mittleren Deichselstern Mirak an der Linie Arktur - Gemma; so gelangt man zu Unuk, einem Stern beinahe 2. Größe, dem Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung allerdings ist etwas länglich und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht.

Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange". Durch Unuk zieht sich eine Sternenkette, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht. Die drei ersten Sterne dieses "Himmelslineals" gehören zum Sternbild der Schlange, die nächsten drei zum Sternbild des Schlangenträgers, ehe das Himmelslineal ein wenig nach oben abknickt zum Stern Sabik. Dieser gehört ebenfalls zum Schlangenträger und steht oberhalb des Sternbildes Skorpion. Auch Sabik ist ein Stern 2. Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren; Sabik bedeutet "der Vorangehende".

Sternzeichen des Schlangengträgers mit Schlange
In diesem "Himmelslineal" gibt es neben Unuk und Sabik noch zwei weitere hellere Sterne. Beide stehen im Schlangenträger und erreichen beinahe 2. Größe: Zeta Ophiuchi ist der unterste und hellste Stern in dieser Kette, also dort, wo das Himmelslineal zu Sabik abknickt; er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der andere heisst Yed Prior, was "erstere Hand" bedeutet und ist ein Roter Riese im Abstand von 170 Lichtjahren. Er ist von oben gezählt der vierte Stern im Himmelslineal; bei ihm findet der Übergang von der Schlange zum Schlangenträger statt.

Ein weiterer Stern beinahe 2. Größe steht im Schlangenträger schräg unterhalb von Ras Alhague. Dieser Stern heißt Cebalrai, was "Schäferhund" bedeutet und ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 100 Lichtjahren. Cebalrai bildet gewissermaßen einen Bogen von Ras Alhague, am Ende der großen Arktur-Gemma-Deichsel, zu Sabik am Ende des Himmelslineals. Links unterhalb von Sabik kann man im Süden bei guter Sicht auch das sehr schöne und figürliche Sternbild des Skorpion mit seinem tiefroten Hauptstern Antares, einem Roten Riesen 1. Größe im Abstand von über 500 Lichtjahren, bewundern. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt".


Im Osten steht das Sommerdreieck schon hoch am Himmel, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Das Sternbild des Schwanes wird in der 4. Rubrik näher beschrieben. - Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist, und bedeutet "fliegender Adler"; er ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Der "fliegende Adler" Atair wird dabei von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere Stern heißt Tarazed und ist ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke". Der untere Stern auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger.

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4. Sternbild des Monats: Der Schwan

Bildliche Darstellung des Schwans. Nach Jehoshaphat Aspin, 1850
Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer bläulich-weißen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt.

Der Hauptstern Deneb bedeutet "Schwanz" und stellt also den Schwanz des Schwanes dar. Deneb ist ein bläulich-weißer Stern, der 3000 Lichtjahre von uns entferntist. Er ist einer der hellsten Sterne unserer Galaxie überhaupt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir", was "Brust" bedeutet. Hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern im Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, welche die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt.

Der wunderschöne Doppelstern Albireo
Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

Der Schwan, lateinisch Cygnus, wird bei Ovid als Bundesgenosse der Trojaner im trojanischen Krieg erwähnt. Er ist durch Waffen unverwundbar, da seine Eltern Götter sind: sein Vater ist der Meeresgott Neptun und seine Mutter eine Nereide, das ist eine Wassergottheit, eine Tochter des Nereus. Er wird von Achilles erwürgt, worauf sein Vater Neptun seinen toten Leib in einen Schwan verwandelt.

Eine andere Deutung bringt den Schwan mit der Sage um den Gott Phaeton in Verbindung. Phaeton hatte sich den Sonnenwagen seines Vaters Helios geborgt. Bei der übermütigen Fahrt über den Himmel geriet der Wagen jedoch außer Kontrolle und Phaeton stürzte in den Fluss Eridanus. Phaetons Freund Kyknos, der König der Ligurer, war über dessen Tod untröstlich und wanderte unentwegt am Ufer des Eridanus entlang. Schließlich wurde er in Gestalt eines Schwanes an den Himmel versetzt.


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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

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