Sternenhimmel im Juni 2006


Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail zur Verfügung. Dazu bitte die Kontaktadresse auf dieser Website nutzen.


1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Nun schließt sich der Kreis des Himmelsjahres, den wir letztes Jahr im Juli begonnen haben, der Sternenhimmel nähert sich wieder dem Sommerhimmel. Die so eindrücklichen Sterne des Winters haben sich nun von der Himmelsbühne verabschiedet, bei sehr guter Horizontsicht kann man allenfalls noch die Capella tief im Norden erspähen.

Der Löwe ist weit in den Westen gezogen und die Achse Arktur - Spica in Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen hat den Zenit überschritten. Im Südosten ist der helle Riesenplanet Jupiter aufgegangen und im Süden erhebt sich das sehr schöne Sternbild des Skorpion mit seinem rötlich funkelnden Hauptstern Antares über den Horizont. Auch das Sommerdreieck mit der hellen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler ist im Osten vollständig aufgegangen.

Der Große Wagen steht hoch über dem Polarstern, so auf dem Kopf stehend bietet er einen ganz ungewohnten Anblick. Die Cassiopeia ist tief in den Norden abgesunken und nur bei guter Horizontsicht gut als "W" zu erkennen.

Die Venus sieht man morgens vor Sonnenaufgang.

2. Monatsbeitrag: Das Plutosystem

Nach wie vor gilt der nur 2400 km große Pluto als der äußerste Planet unseres Sonnensystems, da der geringfügig größere 10. Planet noch nicht als Planet anerkannt ist. Groß war 1978 die Überraschung, als ein Mond des Pluto entdeckt wurde, der halb so groß ist wie der Pluto selber. Dieser Mond bekam den Namen Charon (nicht zu verwechseln mit dem Planetoiden Chiron, der zwei Jahre zuvor entdeckt worden war) und eigentlich müsste man bei Pluto und Charon von einem Doppelplaneten-System sprechen. Seit etwa 10 Jahren weiß man, dass Pluto und Charon Mitglieder des Kuipergürtels sind, eines Planetoidengürtels unseres Sonnensystems jenseits der Neptunbahn. Bis heute kennt man 8 Mitglieder, die größer als 1000 km im Durchmesser sind; zwei davon sind Pluto und Charon.

Letztes Jahr wurden zwei weitere Monde des Pluto entdeckt, so dass sich dort mindestens ein Vierfachsystem durch diese fernen Bereiche unseres Sonnensystemes bewegt. Die beiden neu entdeckten Monde des Pluto sind etwa 10- bis 20-mal kleiner als der große Plutomond Charon. Durch diese neu entdeckten Monde indes erhöht sich die Chance für den Pluto, seinen Planetenstatus beibehalten zu können und für den geringfügig größeren 10. Planeten, der auch einen Mond hat, einen offiziellen Planetenstatus zu erhalten.

Seine Kameraden <- Rundgang zum neuen Planeten -> Planetendefinition


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3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Ausgangspunkt unserer Sternenwanderung im Juni ist der Große Wagen, der seinen höchsten Stand erreicht hat und nun auf dem Kopf steht; verlängert man die Deichsel, so kommt man zum hellen Stern Arktur im Bärenhüter und bei weiterer Verlängerung gelangt man zur hellen Spica in der Jungfrau. Auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel, deren äußerer Stern Gemma heißt; das ist der Hauptstern der Nördlichen Krone.

Sommerhimmel
Südausschnitt des Sternenhimmels, wie er sich Mitte Juni ca. 22:30 präsentiert

Gemma bedeutet "Edelstein" und ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren; wie die meisten Sterne des Großen Wagen (mit Ausnahme des vorderen Deichselsternes und des oberen hinten Kastensternes) gehört sie auch zum Bären-Strom, einer Gruppe von Sternen, die gemeinsam an unserer Sonne vorbei durch unsere Milchstraße ziehen, auch der Sirius gehört diesem Bärenstrom an. - Diese größere Deichsel von Arktur über die Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger, der nun halbhoch im Osten steht. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague.

Betrachtet man die große Deichsel von Arktur und Gemma als Kopf eines geometrischen Drachens, so findet man auf der anderen Seite, also im Südosten, einen Stern 3. Größe namens Unuk, das ist der Hauptstern der Schlange. Unuk stammt von "Unuk al Hay" und bedeutet "Hals der Schlange"; sie ist ein 70 Lichtjahre entfernter Roter Riese. Von Unuk aus kann man in Richtung Süden wie auf einer Linie eine Reihe von Sternen erkennen, die man als "Himmelslineal" bezeichnen könnte; am Ende dieses Himmelslineals steht nach oben abgeknickter ein Stern 2. Größe; das ist Sabik im Schlangenträger. Sabik heißt "der Vorangehende" und ist wie die Gemma ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. Von Sabik gelangt man südwärts blickend direkt zum schönen Skorpion; bei guter Südsicht kann man den vorderen Teil des Skorpion, welcher aus zwei senkrecht zueinander stehenden engen Dreiergruppen besteht, sehen. Es sieht also so aus, als ob sich der Skorpion gerade aus dem Sand ausgräbt und erst die Scheren (vordere drei Sterne) und der vordere Teil seines Körpers (untere drei Sterne) zum Vorschein gekommen sind. Diese beiden Dreiergruppen sind leicht gebogen und stehen senkrecht zueinander. Der Hauptstern des Skorpion, der helle rötliche Antares, befindet sich in der Mitte der unteren Dreiergruppe.

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zum Verzeichnis der Sternnamen

4. Aktuelles aus der Wissenschaft:Hubble Space Teleskop-Bilder vom äußeren Sonnensystem

Jenseits des Neptun, der 30 mal weiter von unserer Sonne entfernt als unsere Erde seine Bahn zieht, gibt es zahlreiche Planetoiden, die den sogenannten Kuipergürtel bilden. Zwei von ihnen sind über 2000 km große Planeten, der Pluto und der im vergangenen Juli entdeckte 10. Planet "2003 UB313". Sechs weitere sind über 1000 km groß. In den letzten Jahren wurde auf drei dieser weit entfernten Geschwister unserer Erde das Weltraum-Hubble-Space-Teleskop gerichtet; solche Beobachtungen sind sehr teuer und liegen an der Grenze des technisch machbaren; es waren allerlei statistische Auswertungen und physikalische Modellannahmen nötig, um überhaupt Ergebnisse herleiten zu können.


Quauar

Sedna

10. Planet

Bei diesen Kuipergürtel-Planetoiden und -Planeten handelt es sich um den 1250 km großen Quaoar, in 43fachem Erdabstand von unserer Sonne, um die ca. 1600 km große Sedna in 90fachem Erdabstand von unserer Sonne und um den 2400 km großen 10. Planeten in 97fachem Erdabstand von unserer Sonne.


Die Bilder <- Rundgang zum neuen Planeten -> Sein Kollege Pluto


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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von der NASA, der ESA, ESO, DLR und anderen Raumfahrts- und Astronomie-Organisationen. Das Nutzungsrecht dieser Organisationen besagt, dass ihre Bilder für Zwecke der Bildung frei verwendet werden dürfen.
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