Sternenhimmel im März 2006


Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail zur Verfügung. Dazu bitte die Kontaktadresse auf dieser Website nutzen.


1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Der Sternhimmel wandelt sich nun rasant: Zusätzlich zur Bewegung der Erde um die Sonne wird es nun auch wieder später dunkel, so dass sich die Sterne schneller als sonst im Westen von der Himmelsbühne zu verabschieden scheinen, während im Osten rasch neue Sterne aufgehen. Der Sternhimmel ist nun sehr winterlich und die gesamte Prominenz des Winterhimmels, unter ihnen zahlreiche sehr bekannte Sterne, sind im Wintersechseck bereits hoch am Himmel in den Westen gezogen, während im Osten bereits die Boten des bevorstehenden Frühlings aufgehen.

Der Große Wagen steht nun östlich vom Polarstern und zieht "rückwärts" immer höher, während die Cassiopeia, ein Sternbild, das wie ein "M" aussieht, westlich des Polarsterns rasch nach unten zieht. Die Zwillinge ziehen nun in den Zenit, den die helle Capella im Fuhrmann bereits überschritten hat; im Westen kann man einen recht hellen Stern erkennen: das ist der Planet Mars, der in der Nähe der Plejaden steht. Links oberhalb findet man den Hauptstern des Sternbildes Stier, den Aldebaran, rechts unterhalb hoch im Süden zunächst den Orion mit Beteigeuze und Rigel sowie den Großen Hund mit dem hellen Sirius. Unter den Zwillingen steht hoch über dem Großen Hund der helle Stern Procyon im Kleinen Hund.

Bereits hoch im Osten steht der Saturn, der Planet mit den berühmten Ringen, links unterhalb der Zwillinge und ebenfalls schon hoch im Osten können wir unter dem Saturn das Sternbild des Löwen, einen ersten Boten des bevorstehenden Frühlings, erkennen. Tiefer im Osten in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen steht bereits Arktur und in der weiteren Verlängerung der Bärendeichsel ist bereits die helle Spica in der Jungfrau gut erkennbar; bald wird auch der sehr helle Riesenplanet Jupiter am Osthorizont auftauchen. Im Nordosten kann man bereits die Wega und bei guter Sicht tief im Nordosten auch Deneb im Schwan über dem Horizont funkeln sehen.

Die Venus kann morgens vor Sonnenaufgang tief im Osten erspäht werden.

2. Aktuelles aus der Wissenschaft: Dunkle Materie

Seit einigen Jahren kann man in wissenschaftlichen Publikationen immer wieder etwas über "Dunkle Materie" und "Dunkle Energie" lesen. Was ist das? Zunächst einmal ist der Begriff "dunkel" irreführend; es sollte eher "nicht sichtbar" heißen und statt "dunkel" würde der Begriff "durchsichtig" diese Phänomene besser beschreiben.
Theoretische Modelle von der Entstehung des Universums sagen voraus, dass die "Ausdehnungskraft" des Universums mit der "vorhandenen Masse" des Universums insgesamt die Waage hält, so dass deutlich mehr Masse vorhanden sein sollte als man beobachten kann. Gleichzeitig zeigen die Bewegungen von Sternen in großen Strukturen wie Kugelsternhaufen, Galaxien sowie Galaxiehaufen, dass diese ebenfalls weit mehr Masse zu haben scheinen als man beobachten kann. Daraus haben die Forscher geschlossen, dass es weitere Materieformen geben könnte, die mit der "normalen" Materie nur über die Schwerkraft in Wechselwirkung stehen und die überall im Universum ganz fein verteilt ist.
Dunkelmaterie sichtbar gemacht Forscher der ESA haben die Dunkle Materie für einen Galaxiehaufen dargestellt. In roter Farbe sind die sichtbaren Sterne dargestellt, in blauweißer Farbe entsprechend die Dichte der Dunkelmaterie
Die Theorie der Großen Vereinheitlichung der Naturkräfte - der starken und der schwachen Kernkräfte sowie der elektromagnetischen Kraft, aber ohne die viel schwerer zu beschreibende Schwerkraft - sagt die Existenz sogenannter supersymmetrischer Partikel voraus und deren leichtesten Vertreter könnten gerade für diese Dunkle Materie in Frage kommen. Es wird aber noch einige Jahre dauern, bis man diese "Neutralinos" genannten hypothetischen Teilchen an Teilchenbeschleunigern nachweisen kann.

Noch spekulativer erscheint die "Dunkle Energie": Wie im Oktoberbeitrag gesehen kann man Entfernungsmessungen im Universum anhand Supernova-Explosionen ("Weiße Zwerge, die Masse vom Begleitstern aufsaugen") und anhand der Rotverschiebung ("Flucht der Milchstraßen") messen. Hierbei stellt sich heraus, dass sehr weit entfernte Supernovae systematisch schwächer leuchten als man aufgrund ihrer Rotverschiebung vermuten würde, so dass man daraus folgert, dass sich das Universum heutzutage schneller ausdehnt als früher und die dazu benötigte und derzeit noch völlig unverstandene Energie wird "Dunkle Energie" genannt.

3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Ausgangspunkt unserer Sternenwanderung im März ist das auffällige und bekannte Sternbild des Himmelsjägers Orion, welches nun hoch im Westen steht. Schön sieht man die beiden Schultersterne, drei eingeschnürte Gürtelsterne sowie zwei Fußsterne. Der linke Schulterstern wird von der Beteigeuze, einem prominenten Roten Riesen, markiert, diagonal gegenüber findet man den rechten Fußstern Rigel, beides Sterne von sogar 0. Größe, die so hell sind wie Arktur, Wega, Capella und Procyon. Der rechte Schulterstern des Orion heißt Bellatrix. Zwischen dem Oriongürtel und dem unteren Fußstern kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen, der das am Gürtel steckende Schwert des Orion markiert. Weit links unterhalb von Rigel kann man über dem Südwesthorizont den hellsten Fixstern überhaupt, den hellen Hundsstern Sirius, und bei guter Horizontsicht tief im Südwesten sogar den gesamten Großen Hund erspähen, der im Januar-Beitrag vorgestellt wurde. Vom Sirius steil links hinauf sieht man den Stern Procyon im Kleinen Hund. Die Sterne Beteigeuze, Sirius und Procyon bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, welches auch "Winterdreieck" genannt wird.

Im Zenit finden wir die helle Capella, die man auch finden kann, indem man vom dritten Stern des Cassiopeia-M zwischen dem vierten und fünften Stern des M hindurch verlängert und südlich der Capella sieht man hoch am Himmel zwei übereinander liegende Sterne; das sind die Zwillinge hoch oberhalb von Procyon im Kleinen Hund.

Der Planet Mars ist immer noch ein auffallend heller rötlicher Stern, der bereits deutlich nach Westen weitergezogen ist; er befindet sich im "goldenen Tor der Ekliptik", welches von den Plejaden und den Hyaden (mit Aldebaran) gebildet wird.

Plejaden/Stier Aldebaran/Hyaden Ain/Hyaden Hyaden/Stier Mars Goldenes Tor/Stier

Stier

Mars geht durch das "goldene Tor der Ekliptik". Der Sternhaufen in der rechten Hälfte oben sind die Plejaden. Unten links ist die Sterngruppe der Hyaden mit dem deutlich roten Aldebaran sichtbar. Rechts unten steht der Planet Mars, auch durch seine Helligkeit und die rote Farbe gut erkennbar.


Bereits hoch im Osten steht links unterhalb der Zwillinge der Saturn, der Planet mit den berühmten Ringen. Ebenfalls schon hoch sehen wir unter dem Saturn zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe: der rechte und hellere ist Regulus, der linke heißt Algieba.

Tiefer im Osten in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen steht bereits Arktur und in der weiteren Verlängerung der Bärendeichsel ist bereits die Spica in der Jungfrau erkennbar; bald wird auch der sehr helle Riesenplanet Jupiter am Osthorizont auftauchen. Im Nordosten kann man bereits die Wega und bei guter Sicht tief im Nordosten auch Deneb im Schwan über dem Horizont funkeln sehen.

zum Verzeichnis der Sternnamen ->

4. Aktuelle Entdeckungen: Erdgroßer Planet um ferne Sonne

Mitte Januar wurde die Entdeckung eines Planeten in Erdgröße um eine fremde Sonne bekannt gegeben. Zwar ist mit zahlreichen solcher Planeten zu rechnen, bislang konnte man sie aber nicht nachweisen.

Gravitationslinsen-Effekt Ein Galaxienhaufen mit einem durch den Gravitationslinsen-Effekt entstandenen leuchtenden Bogen. Der hier dargestellte Effekt lässt sich mit der Dunklen Materie erklären, die in der Rubrik 2 erklärt wird
Auch der nun entdeckte Planet liegt weit jenseits der Nachweisgrenze, zumal er mit 25'000 Lichtjahren sehr weit von uns entfernt ist, aber zufällig ist ein Stern genau in der Linie zwischen unserer Erde und diesem Stern mit seinem Planeten durchgezogen und hat einen sogenannten "Gravitationslinsen"-Effekt ausgelöst. Das heißt, er hat die Lichtstrahlen aufgrund seiner Schwerkraft abgelenkt, so dass dieser vorbeiziehende Stern wie ein gewaltiges Vergrößerungsglas gewirkt hat.

Nach Auswertung der Lichtkurven hat sich gezeigt, dass dieser Planet um einen "Roten Zwerg" - also eine viel kühlere Sonne als die unsrige - wandert, dass er ungefähr fünffache Erdmasse hat und rund 2.5 mal weiter von seiner Sonne entfernt ist als unsere Erde von der Sonne. Somit dürfte es sich bei diesem Planeten um einen großen Eisplaneten handeln, der möglicherweise ähnlich wie der Jupitermond Europa und der Saturnmond Enceladus einen gewaltigen Wasserozean tief unter seiner Oberfläche enthält, in dem sich einfache Lebensformen entwickelt haben könnten. Das ist natürlich alles sehr spekulativ.

Aufgrund seiner enormen Entfernung ist es bis auf weiteres unmöglich, eine Sonde zu diesem Planeten zu schicken und die Wahrscheinlichkeit, dass wieder ein Stern genau in der Sichtlinie zwischen diesem Planeten und der Erde durchzieht und einen neuerlichen Gravitationslinsen-Effekt auslöst, ist leider auch sehr gering, so dass man diesen Planeten vermutlich niemals wieder sehen wird. Er wird aber einen sehr wertvollen Beitrag zur Statistik solcher Planeten um ferne Sterne liefern.




Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von der NASA, der ESA, ESO und anderen Raumfahrts- und Astronomie-Organisationen. Das Nutzungsrecht dieser Organisationen besagt, dass ihre Bilder für Zwecke der Bildung frei verwendet werden dürfen.
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