Sternenhimmel im Mai 2006


Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail zur Verfügung. Dazu bitte die Kontaktadresse auf dieser Website nutzen.


1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Der Sternhimmel kommt nun langsam wieder zur Ruhe; die Frühlingssterne und die ersten Sommersterne haben sich am Abendhimmel etabliert, während sich mit Capella und Menkalinam im Fuhrmann, Castor und Pollux in den Zwillingen sowie Procyon im Kleinen Hund die letzten Vertreter des einst so eindrucksvollen Wintersechsecks bereits tief in den Westen abgesenkt haben. Oberhalb der Zwillinge sieht man den Saturn, das ist der Planet mit den berühmten Ringen.

Der Löwe kann sehr schön hoch am Südwest-Himmel gesehen werden, auch die Achse Arktur - Spica in Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen steht bereits hoch am Himmel. Im Südosten kann man bereits den Riesenplaneten Jupiter aufgehen sehen. Die nördlichen Teile des Sommerdreiecks mit der hellen Wega in der Leier und Deneb im Schwan stehen bereits halbhoch am Osthimmel.

Der Große Wagen steht bald über dem Polarstern, so auf dem Kopf stehend bietet er einen ganz ungewohnten Anblick. Die Cassiopeia ist tief in den Norden abgesunken und nur bei guter Horizontsicht gut als "W" zu erkennen.

Der Mars kann abends nach Sonnenuntergang tief im Westen erspäht werden, die Venus sieht man morgens vor Sonnenaufgang.


2. Monatsbeitrag: Unser Sonnensystem

In den letzten Jahren gab es einige hochinteressante Entdeckungen in unserem Sonnensystem, so dass der Aufbau und die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystemes zwar nicht neu geschrieben, aber doch umgeschrieben werden sollte. Das bietet Anlass, unser Sonnensystem einmal unter Berücksichtigung aller bekannter Erkenntnisse vorzustellen.

Sonne Merkur Venus Erde Mond Mars Jupiter Saturn Uranus Neptun Pluto Planetenbahnen

Sonnensystem

Das Sonnensystem mit Planeten.
Mit dem Mauszeiger können Planetennamen sowie weitere Bilder und
Beschreibungen der Planeten angezeigt werden (bitte anklicken)


Um die Sonne kreisen drei Gruppen von Planeten; die innerste Gruppe umfasst erdähnliche Planeten, die aus Gestein aufgebaut sind. Das sind zunächst der Merkur, dann der bekannte Morgen- und Abendstern Venus, dann unsere Erde und schließlich der Mars. Außerhalb der Marsbahn finden sich zahlreiche kleinere "Planeten", die man auch Planetoiden nennt; einige wenige von ihnen gelangen sogar in die Nähe der Erd- und sogar der Venusbahn. Die größten Planetoiden ziehen ihre Bahnen aber in rund doppeltem Marsabstand; der größte Planetoid ist die Ceres, die mit knapp 1000 km Durchmesser knapp ein Drittel so groß wie unser Mond ist. Nur Pallas und die helle Vesta, die man unter günstigen Bedingungen sogar von bloßem Auge sehen kann, sind größer als 500 km, alle anderen sind meist deutlich kleiner.

Die zweite Gruppe von Planeten sind Gasriesen; der Jupiter ist rund 12x größer als unsere Erde, der Saturn rund 10x größer, Uranus und Neptun sind rund 4x größer als die Erde. Auch der Uranus kann unter günstigen Bedingungen von bloßem Auge gesehen werden.

Jenseits der Neptun-Bahn läuft der Pluto seine Bahn um die Sonne; in den letzten Jahren hat man mit sehr leistungsfähigen Fernrohren und automatisierten Beobachtungsdaten-Auswertungsprogrammen zahlreiche weitere solcher Kuipergürtel-Planetoiden entdeckt, dabei immerhin 5 Planetoiden mit einem Durchmesser größer als 1000 km und sogar einen weiteren, zehnten Planeten, der ganz aktuell vom Hubble Space Teleskop untersucht worden ist (siehe auch 4. Rubrik). Es ist derzeit allerdings umstritten, ob man den Pluto und diesen 10. Planeten tatsächlich als Planeten oder nicht als sehr große Kuipergürtel-Planetoiden bezeichnen soll.

Weitere Mitglieder unseres Sonnensystemes sind die Kometen, die oftmals langgestreckte elliptische Bahnen haben; viele von ihnen ragen über 1 Lichtjahr in den Raum hinaus. Die meisten von ihnen haben ihren sonnennächsten Punkt in Jupiter- bis Saturnabstand, doch da sie sich die meiste Zeit weit weg von der Sonne aufhalten, bilden diese Kometen eine Art weiträumiges Halo um die Sonne, das man auch Oort'sche Wolke nennt.

Die meisten Planeten und zahlreiche Planetoiden sind von Monden umgeben, von denen einige sogar eine beträchtliche Größe aufweisen - der Jupitermond Ganymed sowie der Saturnmond Titan sind sogar größer als der Planet Merkur; der Jupitermond Callisto ist nur geringfügig kleiner als der Merkur. Die beiden anderen großen Jupitermonde Io und Europa sowie unser Erdmond sind mit rund 3500 km Durchmesser ebenso wie der Neptunmond Triton mit knapp 3000 km Durchmesser deutlich größer als die beiden Kuipergürtel-Planeten; Saturn und Uranus sind zusätzlich von mehreren Monden größer als 1000 km umgeben, auch der Plutomond Charon ist über 1000 km groß.

Nicht in dieses Bild passen die beiden Marsmonde Phobus und Deimos, die nur wenige Kilometer groß sind; tatsächlich scheint es sich dabei um eingefangene kleine Planetoiden zu handeln; auch der Planetoid Sylvia hat zwei solche Monde in dieser Größenordnung.

Neben den meisten Planeten haben übrigens auch zwei Monde eine Atmosphäre, nämlich die beiden Saturnmonde Titan und Enceladus.

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3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Ausgangspunkt unserer Sternenwanderung im Mai ist der Große Wagen, der immer höher zieht und nun auf dem Kopf steht; verlängert man die Deichsel, so kommt man zum hellen Stern Arktur im Bärenhüter und bei weiterer Verlängerung gelangt man zur hellen Spica in der Jungfrau. Westlich der beiden finden wir das Sternbild des Löwen, das im letzten Monat näher beschrieben worden ist; manchmal werden Regulus, Arktur und Spica auch als "Frühlingsdreieck" bezeichnet; diese drei Sterne stehen aber zu weit auseinander, um ein wirklich auffälliges Dreieck bilden zu können. Weiter westlich des Löwen sieht man den hellen Saturn, den Planeten mit den Ringen.

Die Deichsel des Großen Wagen führt zu Arktur; auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel, die auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger weist, der nun tief im Osten steht. Nördlich von ihm, ebenfalls im Osten, ist bereits ein Teil des Sommerdreieckes hoch am Osthimmel zu bewundern, nämlich die helle Wega in der Leier und Deneb im Schwan.

Bereits halbhoch im Osten kann man in der Nähe der Spica den sehr hellen Riesenplanet Jupiter erkennen.

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4. Aktuelles aus der Wissenschaft: Beobachtungen des 10. Planeten mit dem Hubble Space Teleskop

Erneut wurde das Weltraumteleskop auf ein Mitglied des äußeren Bereiches unseres Sonnensystems gerichtet; in den vergangenen Jahren war es bereits auf den Quaoar und auf die Sedna gerichtet worden, nun auf den im letzten Juli entdeckten 10. Planeten. Diese Beobachtungen liegen an der technischen Grenze des Leistungsvermögens der derzeitigen besten Fernrohre und es waren auch allerlei statistische Auswertungen und physikalische Modellannahmen nötig, um überhaupt Ergebnisse herleiten zu können. So gesehen verwundert es nicht, dass im Februar eine Bonner

10. neu Entdeckt Der 10. Planet wurde mittels Vergleich mehrerer Aufnahmen eines Ausschnitts aus dem Sternenhimmel dadurch entdeckt, dass er sich als einziges Objekt bewegt
Forschungsgruppe anhand der Wärmerückstrahlung des 10. Planeten auf einen Durchmesser von 3000 km geschlossen hat, während nun die Auswertungen des Hubble Space Teleskopes nur einen Durchmesser von 2400 km ergeben haben - beide Ergebnisse stimmen überein, wenn nur eine Größe in der Berechung geringfügig geändert wird.



<-Seine Entdeckung - Rundgang zum neuen Planeten - Seine Gefährten ->

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von der NASA, der ESA, ESO, DLR und anderen Raumfahrts- und Astronomie-Organisationen. Das Nutzungsrecht dieser Organisationen besagt, dass ihre Bilder für Zwecke der Bildung frei verwendet werden dürfen.
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