Sternenhimmel im November

Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.

Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.

Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail zur Verfügung. Dazu bitte die Kontaktadresse auf dieser Website nutzen.



1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Der Sternhimmel hat nun stark herbstliche Züge, wobei der Gang der Sterne immer langsamer voranzuschreiten scheint, weil es nun ja deutlich früher dunkel wird. Das Sommerdreieck ist auf die Westhälfte des Himmels weitergewandert. Bei schönem Wetter kann man in dieser Jahreszeit sehr figürlich das Sternbild des Adlers sehen, eine Beschreibung findet sich ebenfalls in der dritten Rubrik. Nur noch halbhoch am Westhimmel steht die Wega, die ihre Rolle als hellster Fixstern am Himmel nun der Capella im Fuhrmann abtreten muss; Deneb im Schwan hat ebenfalls den Zenit überschritten.

Der Große Wagen wandert im Norden unter dem Polarstern durch, während wir hoch über dem Polarstern ein Sternbild erkennen können, das wie ein "M" aussieht, das ist die Cassiopeia. Hoch im Südosten sehen wir ein großes Viereck: das ist der Pegasus und von der linken Seite dieses Vierecks zweigt die Sternenkette der Andromeda ab, an deren Ende wir den Perseus sehen können. Hoch im Nordosten steht die Capella im Fuhrmann, die bald hellster Fixstern am Himmel sein wird.

Ebenfalls hoch im Osten sieht man einen auffallend hellen Stern, der leicht rötlich erscheint: das ist der Planet Mars in Opposition, das heißt, dass die schnellere Erde ihn von innen überholt. Links neben dem Mars kann man bei guter Sicht den berühmtesten Sternhaufen überhaupt sehen, das sind die Plejaden, denen auch das Thema dieses Monats gewidmet ist. Weiter links, etwas tiefer, findet man einen weiteren Stern 1.Größe, das ist Aldebaran, der Hauptstern des Stiers.

Im Süden kann man nun einen Stern 1.Größe sehen, den man nur selten zu sehen bekommt: die Fomalhaut im Südlichen Fisch; man findet sie, indem man am Herbstviereck den rechten Schenkel dreimal nach unten verlängert. Fomalhaut bedeutet "Maul des Fisches" und ist ein naher gelb-weißlicher Stern im Abstand von 25 Lichtjahren. Wenn man den linken Schenkel des Herbstviereckes gut zweimal nach unten verlängert, trifft man auf einen hellen Stern 2.Größe: "Deneb Kaitos", der hellste Stern im Sternbild des Walfisches


2. Aktuelles aus der Wissenschaft

Diesen Monat werde ich über den Ursprung des Universums berichten. Dieses Thema ist naturgemäß außerordentlich umstritten und wird von zahlreichen, meist religiös oder esoterisch nahestehenden Gruppierungen angezweifelt, da für einen so gewaltigen Schöpfungsakt in den meisten Kulturen eine oder mehrere Gottheiten verehrt werden. Der nachfolgende Beitrag soll denn auch niemandem in seinem Glauben erschüttern, sondern eine kurze Einführung in diese Thematik sein, wie sie sich aus der Sicht eines Physikers aufgrund der Beobachtungen und gewisser mathematischer Modelle präsentiert.


Schematischer Verlauf der Entwicklung des Universums seit dem Urknall

Vor einigen Jahrzehnten hat man nämlich bemerkt, dass sich Galaxien von unserer Milchstraße umso schneller zu entfernen scheinen, je weiter sie von uns entfernt sind. Populärwissenschaftlich wurde dieses Phänomen mit dem Ausdruck "Flucht der Milchstraßen" bezeichnet und die Wissenschaftler rätselten damals, wie sie diese Beobachtung deuten sollten. Sie konnten das nur so erklären, dass sich unser Universum ausdehnt. Als Bild wird hier gerne ein Luftballon verwendet: Wenn man da in regelmäßigen Abständen Punkte draufmalt und dann den Luftballon langsam aufbläst, so entfernen sich die Punkte voneinander. Beobachter auf so einem Punkt hätten den Eindruck, alle anderen Punkte würden sich von ihnen wegbewegen, doch in Wirklichkeit wird nur der Luftballon aufgeblasen und alle Punkte bewegen sich gemeinsam voneinander weg. Genau gleich stellt man sich das auch mit den Galaxien in unserem Universum vor und daher kommt der Ausdruck "Flucht der Milchstraßen". Umgekehrt bedeutet das natürlich, dass unser Universum früher viel enger beisammen war, d.h. je weiter man in die Vergangenheit zurückgeht, umso dichter gepackt war unser Universum. Nach dem Energieerhaltungssatz sowie Albert Einsteins berühmter Formel e = mc2 (Energie = Masse mal Lichtgeschwindigkeit im Quadrat), was also die Masse als eine Energieform erkennen lässt, war in der Vergangenheit die gleiche Energiemenge auf ein viel kleineres Volumen verteilt, d.h. die sogenannte Energiedichte war früher viel größer. Wenn man nun immer weiter zurückschaut, so hat es den Eindruck, dass vor rund 14 Milliarden Jahren das gesamte Universum in einem winzigen Punkt konzentriert war, der eine unvorstellbar riesige Energiedichte gehabt haben muss. Aus einem uns unbekannten Grund ist dieses in einem winzigen Punkt konzentrierte Universum explosionsartig auseinander geflogen und diese gewaltige, alle Vorstellungen übersteigende Explosion nennt man Urknall. Vom Urknall müsste eine Art Hintergrundstrahlung von 3 Grad über dem absoluten Nullpunkt vorhanden sein, die Mitte der 60iger Jahre tatsächlich entdeckt wurde und eine ausgezeichnete Bestätigung dieses Urknall-Modells darstellt.

Man kann das bis wenige Sekundenbruchteile nach dem Urknall physikalisch ganz gut und plausibel zurückverfolgen und die Beobachtungen stimmen auch gut mit den Vorhersagen dieses Modells überein. Jedoch vermag kein Forscher zu sagen, wie es zum Zeitpunkt des Urknalles selber aussah. Woran liegt das? Das Problem liegt darin, dass zum Zeitpunkt des Urknalles unser Universum eine Ausdehnung von 0 sowie eine unendlich große Energiedichte gehabt haben müsste. Solche Werte sind aber physikalisch unsinnig, weswegen die Forscher also nach besseren Modellen forschen. Eine Idee könnte die sein, dass bei solchen extremen Bedingungen wie einem Urknall uns noch unbekannte physikalische Gesetze gültig sind, welche diese physikalisch unsinnigen Werte beim Urknall vermeiden; dann könnte ein Universum zum Beispiel "vor" dem Urknall aus einem endlichen, uns noch völlig unbekannten Anfangszustand hervorgegangen sein.


3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Ausgangspunkt unserer Sternenwanderung im November ist wieder das Sommerdreieck, das bereits weit im Westen steht. Bei schönem Wetter kann man nun sehr figürlich das Sternbild des Adlers sehen: Rechts und links neben Atair sind zwei mittelhelle Sterne, die die schmale Schulter des Greifvogels darstellen; nach rechts und nach links unten kann man zwei weitere Sterne ausmachen, ebenso senkrecht zur Schulter des Adlers, nach unten, sieht man noch einen Stern. Der Stern rechts von der Verlängerung der Schulter des Adlers heißt "Deneb el Okab", das bedeutet "Schwanz des Adlers". Deneb el Okab ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren. - Nur noch halbhoch am Westhimmel finden wir die Wega; auch Deneb im Schwan hat bereits den Zenit überschritten. Tief im Südwesten finden wir noch Ras Alhague, den Zielstern der Bärenwanderung; Ras Alhague findet man ja auch, wenn man Deneb an der Achse Wega-Atair spiegelt.


Der Stern Atair des Sommerdreiecks ist der Hauptstern des Adlers
Spiegelt man die Wega an der Achse Deneb-Atair, so gelangen wir zu Enif, dem hellsten Stern des Sternbild Pegasus. Er steht etwas rechts vom großen Herbst- oder Pegasusviereck; sein oberster Stern heißt Scheat, das bedeutet Schulter (des Pferdes). Scheat ist ein mittelweit entfernter Roter Riese im Abstand von gut 160 Lichtjahren. Bei Markab zweigt eine Sternenkette Richtung Enif ab, bei der Sirrah zweigt die Sternenkette der Andromeda ab, die aus der Sirrah selber, aus Mirach und aus Alamak besteht. Oberhalb von Mirach kann man im Feldstecher einen weiteren Stern erkennen, nochmals gleichweit entfernt befindet sich der berühmte Andromedanebel, eine Galaxie wie unsere Milchestraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht ist der Andromedanebel von bloßem Auge sichtbar. Verlängert man die Andromedakette weiter, so gelangt man zu Mirfak, dem Hauptstern des Perseus; interpretiert man das Herbstviereck und die Sternenkette der Andromeda als übergroßen Großen Wagen, so wäre Algol der äußerste Deichselstern. Algol steht ebenfalls im Sternbild des Perseus, welcher ja die Andromeda gerettet hatte und befindet sich also schräg unterhalb von Mirfak. Von dieser Mythologie wurde im September berichtet. - Nordöstlich von Mirfak und Algol finden wir die helle Capella, die in Kürze der hellste Fixstern am Himmel sein wird. Die Capella kann man auch finden, indem man vom dritten Stern des Cassiopeia-M zwischen dem vierten und fünften Stern des M hindurch nach links unten verlängert.

Vom Herbstviereck aus lassen sich auch sehr schön zwei Sterne im Süden finden, die man in Deutschland allerdings nur bei guter Südsicht sehen kann: zum einen die Fomalhaut im Südlichen Fisch, immerhin ein Stern 1.Größe! Man findet sie, indem man am Herbstviereck den rechten Schenkel dreimal nach unten verlängert. Fomalhaut bedeutet "Maul des Fisches" und ist ein naher gelb-weißlicher Stern im Abstand von 25 Lichtjahren.

Um diesen Stern konnten Astronomen eine Staubscheibe beobachten, die an den Kuipergürtel unseres Sonnensystems erinnert. Der Kuipergürtel ist das Reservoir der mittel-periodischen Kometen und umfasst auch einige größere Planetoiden wie den kürzlich entdeckten 10.Planeten Lila, den Quaoar und die Sedna; auch der Pluto gehört zu diesem Kuipergürtel.

Verlängert man den linken Schenkel des Herbstviereckes nach unten, so trifft man nach zweimaliger Verlängerung auf einen hellen Stern 2.Größe, das ist "Deneb Kaitos", der hellste Stern im Sternbild des Walfisches, welcher ja die Andromeda hatte fressen sollen. "Deneb Kaitos" bedeutet "Schwanz des Untieres"; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 100 Lichtjahren. - In diesem Monat sehen wir also 3 Sterne, die den Schwanz bei einem Tier bezeichnen: "Deneb" im Schwan, "Deneb el Okab" im Adler sowie "Deneb Kaitos" im Walfisch.

Bereits hoch im Osten sieht man den Planeten Mars
in Opposition, er ist nun ein auffallend heller rötlich erscheinender Stern. Links neben dem Mars kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen, die in den Highlights dieses Monats näher beschrieben sind. Weiter links, etwas tiefer, steigt ein weiterer Stern 1.Größe am Himmel hinauf, das ist Aldebaran, der Hauptstern des Stier. Sein Name kommt von "Al Dabaran", was "der, der nachfolgt" bedeutet, und zwar den Plejaden. Aldebaran ist also der Stern, der den Plejaden nachfolgt. Aldebaran ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres.

Bei guter Horizontsicht kann man nach Sonnenuntergang tief im Westen die helle Venus sehen.

zum Verzeichnis der Sternnamen ->

4. Highlight: Der Sternhaufen der Plejaden

Diesen Monat stelle ich an dieser Stelle die Sterne eines Sternhaufens vor, der sehr prominent ist und nun bei guter Sicht sehr schön zu sehen ist: die Plejaden. Hier befinden sich auf engem Raum immerhin sechs Sterne 4. Größe oder heller, im Feldstecher kommt dieser Sternhaufen noch prächtiger zur Geltung. Die Plejaden sehen aus wie ein etwas schiefes Viereck, von dem unten ein Stiel abzweigt. Über dem oberen rechten Viereck-Stern befindet sich dann noch die sechste "helle" Plejade.



Hellster Plejadenstern ist die Alcyone am unteren linken Ende des Plejaden-Vierecks; der Stern schräg gegenüber heißt Elektra und ist ebenfalls recht gut bekannt. Oben links steht die Maia und unten neben der Alcyone steht die Merope. Der zweithellste Plejadenstern ist der Stern am Ende des Stieles, er heißt Atlas und ist der Papa der Plejaden. Taygeta schließlich steht oberhalb der Maia.

Die Plejaden waren früher ein eigenes Sternbild inmitten des Sternbildes Stier, doch nun gehören sie auch zum Stier. Die Plejaden werden auch "Siebengestirn" genannt, was schon zu Zeiten der alten Griechen die Frage aufgeworfen hat, was denn die siebte Plejade sei. Meistens sieht man 6 Plejaden und unter sehr günstigen Bedingungen kann man sogar 9 Plejaden sehen, neben den oben genannten noch die sogenannten "scheuen" Plejaden Kelaino, Asterope sowie die Plejadenmutter Pleione. Man sieht aber nicht sieben. Zur Zeit der alten Griechen gab es die Theorie, dass die 7.Plejade die "Elektra" sei, die aus lauter Trauer und Verzweiflung über den Heldentod ihres geliebten Sohnes ihre Schwestern verlassen habe. Ja, man wusste sogar, wohin sie gegangen ist: Tatsächlich gibt es einen weiteren sehr bekannten Stern 4.Größe, also in der Helligkeit eines typischen helleren Plejadensternes, und das ist der Augenprüfstern Alcor über dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen. Jene Theorie besagt nun also, dass die Elektra aus lauter Trauer ihre Schwestern verlassen habe und zum Großen Wagen gewandert sei und dort also neben dem mittleren Deichselstern stehe. Übrigens haben schon die alten Griechen diese hübsche Idee bezweifelt.

Heutzutage weiß man, dass es sich bei den Plejaden um einen sehr jungen Sternhaufen im Abstand von ca. 400 Lichtjahren handelt, in dem auch jetzt noch Sterne entstehen. Die Plejadensterne sind somit alle blauweißlich. Möglich, dass es früher einen weiteren hellen Stern gab, der inzwischen in einer gewaltigen Supernova-Explosion zu einem nicht mehr sichtbaren Neutronenstern oder gar Schwarzen Loch geworden ist; möglich ist auch, dass die Bezeichnung "Siebengestirn" nicht die Anzahl der beteiligten Sterne angibt, sondern vielleicht eine Uhrzeit, zu der dieser Sternhaufen an einem besonderen Tag aufgeht, oder eine Ortsbezeichnung, wo man diesen Sternhaufen zu einem bestimmten Zeitpunkt sehen kann; so gibt es in den Alpen zahlreiche Berge, deren Namen die Uhrzeit angibt, zu der die Sonne bei ihnen steht, wie "Elferspitz" oder "Mittagshorn". Es ist bemerkenswert, dass auch auf der berühmten Sternscheibe von Nebra die Plejaden mit 7 Sternen dargestellt sind.


Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von der NASA und anderen Raumfahrts- und Astronomie- Organisationen. Das Nutzungsrecht dieser Organisationen besagt, dass ihre Bilder für Zwecke der Bildung frei verwendet werden dürfen.

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