Sternenhimmel im September 2007

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Sternbild des Monats: Der Herkules
  3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  4. Wissenschaft: Kugelsternhaufen

Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail (an kontakt(at)jugendforum-mithila.de) zur Verfügung.


1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Im September beginnt der Sternhimmel herbstlich zu werden: Zahlreiche Frühlingssterne haben sich von der Himmelsbühne verabschiedet, das Sommerdreieck steht hoch über uns und Arktur ist bereits weit nach Westen weitergezogen. Aufgrund der früher einsetzenden Sonnenuntergänge scheint der Sternenhimmel weitgehend in Ruhe zu verbleiben, so dass sich der Anblick nach Sonnenuntergang nur wenig ändert. Nach wie vor wird der Sternenhimmel von den beiden Sternen Arktur im Bärenhüter und der Wega in der Leier beherrscht, doch im Osten geht mit der hellen Capella bereits die "Konkurrenz" auf. Inzwischen sind mit dem Pegasus, der Andromeda und dem Perseus auch die ersten Herbststernbilder aufgegangen.

Der Große Wagen ist oberhalb vom Polarstern durchgezogen und zieht wieder herab, während die Cassiopeia im Nordosten wieder höherzieht.

Der Riesenplaneten Jupiter kann noch tief im Westen gesehen werden, der nun wieder heller werdende Mars kann vor allem in der zweiten Nachthälfte bewundert werden.


2. Sternbild des Monats: Der Herkules

Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild zwischen der Wega und der nördlichen Krone, das aber nur drei Sterne heller als 3. Größe aufweist, so dass es insgesamt eher unscheinbar ist. Da in diesem Monat in der vierten Rubrik das Thema Kugelsternhaufen vorgestellt wird und dieses Sternbild einen der bekanntesten, bei nicht lichtverschmutzen Bedingungen sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13 beherbergt, sei dieses Sternbild diesen Monat vorgestellt.

In der Einführung der wichtigsten Sterne wird die große Arktur-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist und auf dem Weg dahin am hellsten Herkules-Stern Rutikulus vorbeikommt. Kurz bevor man Ras Alhague erreicht kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi; das bedeutet "Kopf des Knienden" und er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Gehen wir nun in Richtung Wega, so finden wir den Stern Sarin. Er bildet mit Rutikulus und Ras Algethi bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist.

Bildliche Darstellung des Herkules. Nach Jehoshaphat Aspin, 1850
Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden" und ist ein Stern dritter Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Auch Sarin ist ein Stern 3. Größe, er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Spiegelt man nun Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin, so gelangt man zum zweithellsten Herkulesstern, zeta Herculi. Er steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi.

Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren, pi Herculi ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren und eta Herculi ebenfalls wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck und den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht und das zwischen der Nördlichen Krone und der Wega steht.

Nun ist es nicht mehr schwer, den bekannten Kugelsternhaufen M13 zu finden: Geht man von Rutikulus an zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei Licht-unverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen. Das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13, nach dem Andromedanebel das bekannteste Sternnebelchen. Während der Andromedanebel eine eigene Galaxie wie unsere Milchstraße ist, ist M13 ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300000 Sterne.

In der Mythologie ist der Herkules ein Held, der mit riesigen Kräften ausgestattet war. Ihm wurden zwölf eigentlich unüberwindbare Aufgaben übertragen, die er dank seiner Kraft und seiner Schläue aber meistern konnte, wobei er etliche Untiere zur Strecke gebracht hat; einige von ihnen, der Löwe, der Krebs, die Wasserschlange und der Drache, sind ebenfalls am Himmel verewigt.

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3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Ausgangspunkt unserer Himmelswanderung im September ist nach wie vor der Große Wagen: Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren.


Ausschnitt des Sternenhimmels im September nach Eindunklen gegen Süden. Der Ausschnitt geht über den Zenit (oranges Kreuz)
hinaus und umfasst über die Hälfte des an diesem Zeitpunkt sichtbaren Sternenhimmels.


Weg vom Bärenhüter über eine drachenförmige Figur zur Schlange und Schlangenträger. Animierte Grafik mit Klick auf das Bild öffnen

Schlange und Schlangenträger

Auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel, deren äußerer Stern Gemma heißt; das ist der Hauptstern der Nördlichen Krone. Gemma bedeutet "Edelstein" und ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. - Auch der mittlere Stern dieser größeren Deichsel ist ein Stern 2. Größe, gehört zum Bärenhüter und heißt Mirak, das bedeutet "Umhang" und ist wie Arktur ein Roter Riese, der allerdings mit fast 200 Lichtjahren viel weiter entfernt ist.

Die Arktur-Gemma-Deichsel weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger, der nun hoch im Süden steht. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren. Auf dem Weg von der Gemma zu Ras Alhague kommt man an Rutikulus, dem hellsten Stern des Sternbildes Herkules, vorbei. Dieser ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger".

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Das Sommerdreieck

Im Osten steht das Sommerdreieck schon hoch am Himmel, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Der "fliegende Adler" Atair wird dabei von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Das Sternbild des Schwanes

Der Schwan scheint über den Himmel nach rechts zu fliegen
Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer bläulich-weißen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens Sadir; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt.

Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

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Das Herbstviereck

Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger, spiegelt man die Wega an der Achse Deneb - Atair, so gelangt man zum hellsten Stern des Pegasus. Dieser ist ein Stern 2. Größe und heißt Enif, das bedeutet "Nase (des Pegasus)"; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 700 Lichtjahren. Östlich von Enif kann man bei guter Horizontsicht auch bereits das Herbstviereck sehen; es sieht nun wie eine übergroße Vorfahrtstafel aus. Sein oberster Stern, Scheat - ebenfalls ein Stern 2. Größe - ist bereits gut sichtbar. Er ist ein gut 200 Lichtjahren von uns entfernter Roter Riese. Scheat heißt "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Links unterhalb von Scheat können wir bereits gut die Sirrah erkennen; bei ihr zweigt die Andromeda-Kette ab. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

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4. Wissenschaft: Kugelsternhaufen

Alle bekannten größeren Galaxien enthalten Sternansammlungen, die kugelförmig sind und deren Sterne durch ihre Schwerkraft aneinander gebunden sind. Diese Sternansammlungen heißen Kugelsternhaufen und sind typischerweise sehr alt und bleiben auch beim Verschmelzen mehrerer Galaxien oder bei der Einverleibung einer kleinen Galaxie durch ein große Galaxie aufgrund ihrer Schwerkraft beisammen; somit kann man durch Untersuchung solcher Kugelsternhaufen viel über die Geschichte einer Galaxie in Erfahrung bringen. Die Milchstraße hat etwa 200 Kugelsternhaufen, der Andromedanebel sogar derer rund 500. Da Kugelsternhaufen hunderttausende von Sternen enthalten, kann man sie auch über große Distanzen beobachten und somit wertvolle Aussagen über weiter entfernte Galaxien bis zu mehreren hundert Millionen Lichtjahren gewinnen. Da man annehmen darf, dass alle Sterne eines Kugelsternhaufens in etwa gleich alt sind und da massenreichere, also blauweißliche Sterne, eine kürzere Lebensdauer haben als entsprechend weniger massereiche Sterne, kann man anhand der massereichsten noch vorhandenen Sterne eines Kugelsternhaufens sein Alter abschätzen.

Alle Sterne eines Kugelsternhaufens sind in etwa gleich weit von uns entfernt sind, so dass die unterschiedliche Helligkeiten der Sterne eines solchen Kugelsternhaufens ihrem tatsächlichen Unterschied entspricht. Nun kann man die Sterne des Kugelsternhaufens in das Diagramm eintragen, bei dem man die Farbe des Sternes gegen seine scheinbare Helligkeit darstellt und die erhaltene Kurve mit den sonnennahen Sternen vergleicht. Aufgrund der großen Anzahl der Sterne mitteln sich individuelle Abweichungen heraus, so dass man daraus die Entfernung abschätzen kann. Diese Methode konnte anhand von Cepheiden-Sternen, bei denen die Helligkeitsschwankungen von der tatsächlichen Helligkeit abhängig sind, so dass sie sich zur Entfernungsmessung eignen, bestätigt werden.

Kugelsternhaufen sind nach wie vor ein hochaktuelles Thema in der Forschung.

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mehr über Entfernungsmessung
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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

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