Sternenhimmel im Dezember 2005

Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.

Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.

Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail zur Verfügung. Dazu bitte die Kontaktadresse auf dieser Website nutzen.



1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich diesen Monat ausnahmsweise schon in der zweiten Rubrik. Im Dezember und im Januar sind die Nächte besonders lang, so dass in diesen beiden Monaten anstelle eines wissenschaftlichen Themas der jeweilige Morgenhimmel vor Sonnenaufgang beschrieben wird.

Nach Sonnenuntergang sehen wir noch einen herbstlichen Sternhimmel, wie er im Oktober beschrieben ist und bei guter Horizontsicht kann man bereits in der Dämmerung tief im Westen die sehr helle Venus als Abendstern erspähen. Bis um 22 Uhr indes wird der Sternhimmel rasch sehr winterlich: nach der herbstlichen Beschaulichkeit steigt nun die gesamte Prominenz des Winterhimmels, unter ihnen zahlreiche sehr bekannte Sterne, innert kurzer Zeit über den Horizont, während das Herbstviereck den Zenit bereits überschritten hat und wir die Andromeda im Zenit vorfinden. Das Sommerdreieck hat sich bereits tief in den Westhimmel abgesenkt und kann bei guter Sicht als schöner Gegenpol zu all' den prominenten Wintersternen gesehen werden. Tief im Westen blinkt die helle Wega, nur noch halbhoch am Westhimmel steht Deneb im Schwan und Atair hat sich bereits weit in den Südwesten zurückgezogen.

Der Große Wagen ist nun im Norden unter dem Polarstern durchgewandert und die Deichsel nähert sich dem Horizont, während wir hoch über dem Polarstern ein Sternbild erkennen können, das wie ein "M" aussieht, das ist die Cassiopeia. Hoch im Nordosten steht die Capella im Fuhrmann, die bis zum Aufgang des hellen Sirius hellster Fixstern am Himmel bleibt. Zwischen der Capella und der Andromeda sieht man den Perseus.

Bald im Zenit sieht man einen sehr auffallend hellen rötlichen Stern: das ist der Planet Mars, der etwas oberhalb der Plejaden steht. Weiter links, etwas tiefer, findet man den Hauptstern des Sternbilds Stier, den Aldebaran. Ab ca. 22 Uhr kann man im Osten zunächst den Orion, dann die Zwillinge, schließlich Procyon und als Krönung den hellen Sirius aufgehen sehen.

Tief im Osten geht der Saturn, der Planet mit den berühmten Ringen, links unterhalb der Zwillinge auf.


2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Ausgangspunkt unserer Sternenwanderung im Dezember ist wieder das Sommerdreieck, das bereits weit in den Westen abgesunken ist: Tief im Westen funkelt die Wega; auch Deneb im Schwan steht nur noch halbhoch am Himmel und Atair im Adler finden wir bei guter Sicht tief im Südwesten.

Spiegelt man die Wega an der Achse Deneb-Atair, so gelangen wir zu Enif, dem hellsten Stern des Sternbild Pegasus, der den Zenit bereits überschritten hat. Enif steht etwas rechts vom großen Herbst- oder Pegasusviereck. Dessen oberster Stern heißt Scheat, bei Markab zweigt eine Sternenkette Richtung Enif ab, bei der Sirrah zweigt die Sternenkette der Andromeda ab, die aus der Sirrah selber, aus Mirach und aus Alamak besteht. Oberhalb von Mirach kann man im Feldstecher einen weiteren Stern erkennen, nochmals gleichweit entfernt befindet sich der berühmte Andromedanebel, eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht ist der Andromedanebel von bloßem Auge sichtbar. Verlängert man die Andromedakette weiter, so gelangt man zu Mirfak, dem Hauptstern des Perseus; interpretiert man das Herbstviereck und die Sternenkette der Andromeda als übergroßen Großen Wagen, so wäre Algol der äußerste Deichselstern. Algol steht ebenfalls im Sternbild des Perseus und befindet sich also schräg unterhalb von Mirfak (siehe Sternkarte im Oktober-Beitrag). Nordöstlich von Mirfak und Algol finden wir die helle Capella, die bis zum Aufgang des hellen Sirius der hellste Fixstern am Himmel sein wird. Die Capella kann man auch finden, indem man vom dritten Stern des Cassiopeia-M zwischen dem vierten und fünften Stern des M hindurch verlängert.

Bereits fast im Zenit sieht man den Planeten Mars, er ist nun ein auffallend heller rötlicher Stern. Links neben dem Mars kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen; unterhalb steht Aldebaran, der Hauptstern des Stiers.


Der Orion ist im Winter fast die ganze Nacht lang am Himmel sichtbar

Ab ca. 22 Uhr sieht man unter dem Stier ein auffallendes Sternbild mit sehr hellen Sternen, das auf der Seite zu liegen scheint; das ist das berühmte Sternbild des Orion mit zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen; so schräg auf der Seite liegend kann man gut verstehen, dass manche Kulturen in ihm einen großen Schmetterling sehen. Der linke Schulterstern wird von der Beteigeuze, einem prominenten Roten Riesen, markiert, diagonal gegenüber findet man den rechten Fußstern Rigel, einen Stern von sogar 0. Größe, der so hell ist wie Arktur, Wega und Capella. Der rechte Schulterstern des Orion heißt Bellatrix.

Unterhalb der Capella sieht man zwei übereinander liegende Sterne; das sind die Zwillinge. Unterhalb der Zwillinge, nach rechts Richtung Süden abgeknickt, sieht man bereits ein gutes Stück über dem Horizont den hellen Stern Procyon; er ist der hellste "unbekannte" Stern; sein Name Procyon ("Stern, der vor dem Hund aufgeht") kündigt bereits den Aufgang des hellsten Fixsternes überhaupt, des hellen Sirius, an, den man bei guter Horizontsicht bereits tief im Süden erspähen kann.


3. Das Wintersechseck

Oft sagt man, dass die Sterne des Winters heller seien, weil die kältere Luft das Licht weniger stark abschwächt. Es ist aber auch so, dass im Winter die helleren Sterne stehen: Allein im Areal des Wintersechsecks befinden sich die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne erster Größe und bezüglich der 2. Größe befinden sich sogar mehr als die Hälfte dieser Sterne im Gebiet des Wintersechsecks. Wir werden uns in diesem und im nächsten Monat mit diesen Sternen und Sternbildern des Wintersechsecks beschäftigen.

Ausgangspunkt in unseren Breitengraden ist die Capella im Fuhrmann; sie ist der zweithellste Stern im Wintersechseck. Als nächstes folgt dann Aldebaran, ein Roter Riese im Sternbild Stier, gefolgt von Rigel im Orion. Rigel ("Fuß") ist einer der beiden Fußsterne des Orion; er ist ein weit entfernter blau-weißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren; er ist einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße! Auch an der Schulter des Orion finden wir zwei sehr helle Sterne, nämlich die berühmte Beteigeuze ("Schulter des Riesen"), ein Roter Riese im Abstand von über 400 Lichtjahren sowie die etwas weniger helle Bellatrix ("Kriegerin"), ein blau-weißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Zwischen Schulter und Fuß sehen wir den aus Sternen 2. Größe bestehenden sehr bekannten Oriongürtel. Zwischen dem Oriongürtel und dem unteren Fußstern kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße.


Der Orionnebel ist ein aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße


Von Rigel knickt nun das Wintersechseck in seinen tiefsten südlichen Punkt ab; dort steht der hellste Fixstern überhaupt, der helle Sirius. Der Sirius ist ein sehr naher weißlicher Stern im Abstand von nur 8.6 Lichtjahren; er hat einen bekannten Begleitstern, den man aber nur mit anspruchsvollen Teleskopen sehen kann: Einen Weißen Zwerg ! - Ein Weißer Zwerg ist ein hochkomprimierter Stern, und zwar der Endzustand für Sterne, die nicht mehr als das 1.4fache der Masse unserer Sonne haben. Wir haben im Oktober gesehen, dass Weiße Zwerge zur Abstandsmessung im Universum herangezogen werden können. - Der Sirius steht im Sternbild des Großen Hund und wird deswegen auch oftmals als "Hundsstern" bezeichnet; nicht zu verwechseln übrigens mit dem "Fuchsstern": jener ist ein sehr bekannter schwacher Stern, nämlich der Augenprüfstern über dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen und sehr alten Legenden zufolge ist der Fuchsstern der fehlende siebte Plejadenstern (siehe auch November- Beitrag). Wenn die Sonne im Sommer in der Nähe des Sirius steht, redet man von den "Hundstagen".

Vom Sirius gelangt man nun schräg nach oben zum nächsten Stern im Wintersechseck: Procyon, das bedeutet "Stern, der vor dem Hund bzw. Hundsstern Sirius aufgeht". Auch Procyon ist ein sonnennaher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren, er steht im Sternbild des Kleinen Hundes, ist weiß-gelblich und hat ebenfalls einen Begleitstern, der ein Weißer Zwerg ist. Von Procyon in Richtung Capella liegen dann noch die Zwillinge, das Wintersechseck geht zwischen Castor und Pollux hindurch; Castor liegt auf der Capella-Seite (beide "C") und Pollux liegt auf der Procyon-Seite (beide "P"). Castor ist ein bekannter Doppelstern im Abstand von 45 Lichtjahren; beide Komponenten sind weißliche Sterne. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von Arktur, also gut 30 Lichtjahre entfernt.

Eine ganz hübsche Anekdote über den Orion weiß die Mythologie zu berichten: Dieser behauptete nämlich, unbesiegbar zu sein. Doch da kam der Skorpion und stach ihn mit seinem giftigen Stachel, so dass der Orion starb. Dass die beiden sich nicht mögen, kann man auch am Himmel sehen: Wenn der Orion aufgeht, geht nämlich der Skorpion unter und wenn der Skorpion aufgeht, geht der Orion unter.


4. Highlight: Der Morgenhimmel

Im Winter wird es ja erst so spät hell, dass viele Menschen morgens noch im Dunkeln das Haus verlassen und zur Schule oder zur Arbeit gehen; deswegen will ich auch den Morgenhimmel kurz vor Sonnenaufgang vorstellen.

Das Wintersechseck, das ja abends aufgeht, zieht die gesamte Nacht am Himmel weiter und steht am Morgen hoch im Westen; besonders schön kann man im Westen den Orion bewundern, der nun nicht mehr liegt, sondern wie wir aufgestanden ist. Schön der rötliche Schulterstern Beteigeuze und rechts von ihr die Bellatrix; unter ihnen bilden drei helle Sterne 2. Größe den Oriongürtel, an dessen linkem Teil der Orionnebel das Schwert des Orion markiert und unter ihnen sehen wir die beiden Fußsterne des Orion; der rechte der beiden ist viel heller und steht in einer Ecke des Wintersechsecks, das ist Rigel. Links von Rigel kann man den sehr hellen Sirius über dem Horizont funkeln sehen; fast senkrecht hinauf sieht man Procyon im Kleinen Hund. Die Zwillinge haben den Zenit gerade erst durchquert und auch die Capella steht noch hoch am Westhimmel, während sich der Stier mit Aldebaran und den Plejaden nun rasch nach Westen absenkt. Die Kette der Andromeda befindet sich bereits tief oberhalb des Westhorizontes, wo einzig Alamak noch gut zu erkennen ist. Auch der Perseus mit Mirfak und Algol ist auf halbem Wege in Richtung Capella gut zu sehen.

Der Große Wagen ist "rückwärts" wieder hinaufgewandert und steht nun auf dem Kopf; seine Deichsel weist zu einem hellen Stern, den wir bereits im Sommer kennengelernt haben; nun schließt sich der jahreszeitliche Kreis und er ist wieder aufgegangen und funkelt schon hoch im Osten: das ist Arktur, der hellste Stern der Nordhemisphäre und nächst gelegene Rote Riese. Wenn man diese Linie von der Deichsel des Großen Wagens über Arktur hinaus verlängert, gelangt man im Südosten zur Spica, dem Hauptstern der Jungfrau. Tief im Nordosten sehen wir die gerade wieder aufgegangene Wega über dem Horizont funkeln; auch für sie, den zweithellsten Stern und in unseren Breiten sogar hellsten Stern der Nordhemisphäre, schließt sich nun also der jahreszeitliche Kreis ! - Noch im Horizontdunst wird sie manchmal mit Ettanin, dem hellsten Stern des Sternbild Drachen, verwechselt. Diese Verwechslung kann man leicht ausschließen, denn eine Handbreit unter Ettanin, einem Stern zweiter Größe, kann man einen weiteren Stern des Drachen sehen. - Wenn wir von Arktur in Richtung der Zwillinge gehen, sehen wir zwei helle Sterne; das sind zwei Sterne des Sternbild Löwe; der untere und hellere ist Regulus beim Herz des Löwen, ein Stern erster Größe; der obere heißt Algieba und markiert die Schulter des Löwen. Von den Zwillingen ausgehend gelangt man zuerst zu einem hellen Stern; das ist der Ringplanet Saturn; wenn man weitergeht, kommt man dann zu den beiden Löwensternen Regulus und Algieba.

zum Verzeichnis der Sternnamen ->

Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von der NASA und anderen Raumfahrts- und Astronomie- Organisationen. Das Nutzungsrecht dieser Organisationen besagt, dass ihre Bilder für Zwecke der Bildung frei verwendet werden dürfen.

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