Sternenhimmel im September 2005

Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.

Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.

Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail zur Verfügung. Dazu bitte die Kontaktadresse auf dieser Website nutzen.



1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Der Sternhimmel trägt bereits spätsommerliche Züge, das heißt Arktur im Bärenhüter steht im Westen nur noch in halber Höhe, das Sommerdreieck steht nun über uns am Himmel, die Wega hat bereits den Zenit überschritten und in Kürze wird Deneb im Schwan im Zenit stehen. Der Große Wagen steht nun im Norden etwas links unter dem Polarstern, während wir rechts über dem Polarstern ein Sternbild erkennen können, das wie ein schief liegendes "W" aussieht, das ist die Cassiopeia. Hoch im Osten sehen wir ein großes Viereck, das wie eine übergroße Vorfahrtstafel auf seiner Spitze steht; das ist der Pegasus und von der linken Seite dieses Vierecks zweigt die Sternenkette der Andromeda ab. Am West-Horizont kann man bei guter Horizontsicht die beiden hellen Planeten Venus und Jupiter erkennen, im Osten sieht man unter der Andromeda den bereits auffällig rötlich gefärbten Mars, der sich seiner Opposition nähert. In der Opposition steht der Mars also genau gegenüber der Erde und wird voll von der Sonne angeleuchtet, so dass er am besten sichtbar ist.

2. Aktuelles aus der Wissenschaft: Ozeane unter der Oberfläche von Monden?

Europa
Schon im Gesamtbild ist die eisig-zerklüftete Oberfläche von Europa zu erkennen
Diesen Monat werde ich über zwei Monde unseres Sonnensystems berichten, die beide schon seit vielen hundert Jahren bekannt sind, denen aber bis vor wenigen Jahren wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Das änderte sich erst mit dem Vorbeiflug leistungsstarker Raumsonden, die erstaunliche Fakten dieser beiden Monde zutage brachten. Es handelt sich um den zweiten der vier großen Jupitermonde, die 1610 von Galileo Galilei entdeckt wurden und die mit einem Feldstecher, der auf ein festes Stativ montiert ist, sehr leicht zu finden sind. Dieser zweite Jupitermond heißt Europa und ist geringfügig kleiner als unser Erdmond.

War dieses Jahr im Januar erstmals eine Raumsonde auf einem weit entfernten Mitglied unseres Sonnensystems gelandet, nämlich dem großen Saturnmond Titan, der sogar eine eigene Atmosphäre hat, so dürfte die nächste solche Raumsonde ziemlich sicher auf dem Jupitermond Europa landen. Der Grund ist ganz einfach: Unter der Oberfläche der Europa wird nämlich ein riesiger Ozean aus Wasser vermutet und es ist durchaus möglich, dass sich dort einfache Lebewesen entwickelt haben. Die schärfsten Aufnahmen der Europa zeigen denn auch Strukturen, die wie Eisberge aussehen.

Enceladus
Die Oberfläche von Enceladus ist weiß wie Schnee und zeigt deutliche Spuren von Wasser
Groß war die Überraschung, dass die Europa im Saturnsystem eine kleine Schwester zu haben scheint, sehr ähnlich aufgebaut, nur viel kälter: Es ist ebenfalls der Mond Nr. 2 namens Enceladus, die 1789 von Wilhelm Herschel entdeckt wurde. Dieser hatte bereits 1781 den großen Planeten Uranus entdeckt. Die Enceladus ist nur ein Sechstel so groß wie die Europa und die schärfsten Aufnahmen haben ebenfalls Strukturen, die wie Eisberge aussehen, enthüllt. Beide Monde haben fast keine Krater, weil in dieser Eisberg- Landschaft die Erosion sehr rasch voranschreitet.

->
Entdeckung Ringen um Saturnmond Rhea




3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Nach der "Bärenwanderung" im vergangenen Monat möchte ich diesen Monat einmal im Sommerdreieck wandern. Dieses wird aus den drei hellen Sternen Wega, Deneb und Atair gebildet, die zu drei unterschiedlichen Sternbildern gehören. Der hellste Stern des Sommerdreiecks, die Wega, hat den Zenit bereits überschritten, während Deneb den Zenit in Kürze erreichen wird. Der Zenit ist der Punkt am Himmel, der senkrecht über uns steht und also am weitesten vom Horizont weg ist. Das Licht der Sterne legt hier den kürzest möglichen Weg durch die Atmosphäre unserer Erde zurück, so dass die Sterne im Zenit also am besten zu sehen sind. Der dritte Stern Atair ist von der Wega weiter entfernt als Deneb und steht südlich der Wega. Im vergangenen Monat haben wir gesehen, dass wenn man nun Deneb an der Achse Wega - Atair spiegelt, man ungefähr zu Ras Alhague gelangt; dieser war ja der Zielstern unserer Bärenwanderung. Man kann auch die Wega spiegeln, und zwar an der Achse Deneb - Atair und gelangt ebenfalls an einen Stern zweiter Größe; dieser heißt Enif und ist der hellste Stern des Sternbild Pegasus. Der Pegasus ist ein geflügeltes Pferd. Enif steht ein bisschen rechts des großen Pegasusviereckes. Enif bedeutet "Nase (des Pferdes)" und ist ein Roter Riesenstern, der etwa 800 Lichtjahre weit von uns entfernt ist.

In den beiden seitlichen Ecken dieses Pegasusvierecks stehen die Hauptsterne des Pegasus und der Andromeda; Markab im Pegasus in der rechten Ecke bedeutet "Sattel (des Pferdes)" und die Sirrah in der Andromeda in der linken Ecke des großen Pegasusvierecks bedeutet "Nabel" und ist der hellste Stern in dieser Region. Beide Sterne sind weißlich und 100 Lichtjahre entfernt. Von der Sirrah gelangt man nach links zur Andromeda - diese drei Sterne stehen unter dem schrägen "W" der Cassiopeia und bilden die Hauptkette der Andromeda. Der mittlere Andromedastern Mirach ist gleich hell wie die Sirrah und ein 80 Lichtjahre entfernter Roter Riese. Mirach bedeutet "Schurz". - Rund eine Handbreit über dem mittleren Andromedastern Mirach steht noch ein etwas schwächerer Stern und nochmals gleichweit entfernt befindet sich der berühmte Andromedanebel, den man fernab der lichtverschmutzten Stadt sogar von bloßem Auge sehen kann.


Der Andromeda-Nebel ist die "Zwillings"-Galaxie unserer Milchstrasse

In der Stadt nimmt man mit Vorteil einen Feldstecher zu Hilfe. Der Andromedanebel ist das am weitesten von der Erde mit bloßem Auge sichtbare Objekt; er ist über 2 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Als das Licht, das wir jetzt sehen, vom Andromedanebel ausgestrahlt wurde, lebten auf der Erde die ersten Urmenschen. Der Andromedanebel ist in Wirklichkeit eine Galaxie ganz ähnlich wie unsere Milchstraße, also eine riesige Ansammlung von Millionen von Sternen.

zum Verzeichnis der Sternnamen ->

4. Highlights

Diesen Monat erzähle ich einmal etwas aus der Mythologie. Um die meisten Sternbilder ranken sich ja alte Sagen und eine der schönsten und auch bekanntesten ist die Andromeda-Sage.

Es war nämlich passiert, dass die Mutter der Andromeda, die Königin Cassiopeia, behauptet hat, sie sei die Schönste aller Nymphen. Das zog natürlich den Zorn der Götter nach sich und zur Strafe wurde ihre Tochter, die arme Andromeda, an den Strand geschmiedet und dem Meeresungeheuer zum Fraße vorgeworfen. Dieses ließ auch nicht lange auf sich warten und näherte sich, um die Andromeda zu fressen. Zum Glück aber weilte der Perseus gerade in der Nähe und der hatte einige Zeit zuvor der Gorgone Medusa - die Gorgonen sind weibliche Gottheiten - den Kopf abgeschlagen. Wo nun die Blutstropfen des abgeschlagenen Kopfes auf den heißen Wüstensand fielen, entstanden sofort giftige Nattern. Jetzt wisst Ihr also auch, woher diese giftigen Nattern in den Wüsten kommen. Nun war es aber so, dass jeder, der das Antlitz der Medusa erblickte, sofort in einen Stein verwandelt wurde. Somit konnte sich also der Perseus gerade rechtzeitig noch zwischen die Andromeda und das Meeresungeheuer werfen und letzterem den abgeschlagenen Kopf der Medusa zeigen, worauf das Meeresungeheuer in einen Stein verwandelt wurde und die Andromeda gerettet war. Zur Belohnung durfte der Perseus natürlich die Andromeda heiraten.

Schauen wir nochmals zum großen Herbstviereck und der Andromeda. Diese beiden Sternbilder sehen aus wie ein großer Großer Wagen und es gibt wie beim richtigen Großen Wagen auch einen vorderen Deichselstern, der aber nicht mehr zur Andromeda gehört. Dieser heißt Algol und ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 100 Lichtjahren. Algol ist einer der wenigen bekannten Sterne, die in wenigen Stunden ihre Helligkeit ändern können. Das war den alten Griechen bekannt und sie haben gerade diesen Stern Algol gewählt, um die Stelle des abgeschlagenen Kopfes der Medusa anzugeben. Algol bedeutet "Kopf des Dämon" und befindet sich bereits im Sternbild des Perseus und wir werden im nächsten Monat also auch die Sternbilder des Perseus und des Meeresungeheuers Cetus kennenlernen. Heutzutage weiß man, dass bei Algol zwei Sterne so dicht zusammenstehen und sich umkreisen, dass man sie auch nicht mit einem Fernrohr getrennt sehen kann; doch wenn die beiden nebeneinander stehen, sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Solche Sterne nennt man "Bedeckungsveränderliche".


zum Andromedanebel ->


Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von der NASA und anderen Raumfahrts- und Astronomie- Organisationen. Das Nutzungsrecht dieser Organisationen besagt, dass ihre Bilder für Zwecke der Bildung frei verwendet werden dürfen.

Startseite Druckversion