Entdeckung des 10. Planeten im Sonnensystem (August 2005)

Seit 1930 glaubt man zu wissen, dass unser Sonnensystem 9 Planeten hat: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Zwischen Mars und Jupiter klafft eine Lücke, die aber nicht leer ist, sondern in der zahlreiche kleine Planeten, sogenannte "Planetoiden", um die Sonne kreisen. Aufgrund von Kometenbahn-Beobachtungen wurde seit über 50 Jahren die Existenz eines weiteren Planetoidengürtels jenseits der Neptunbahn vermutet und dank neuer sehr leistungsstarker Fernrohre konnte 1992 erstmals ein solcher Planetoid entdeckt werden. Seitdem wurden über 1000 solcher Planetoiden entdeckt, von denen einige recht groß sind: So wurde 2002 ein Planetoid namens Quaoar entdeckt, der größer war als der größte Planetoid zwischen Mars und Jupiter, so dass in der Presse bereits damals von einem "10.Planeten" die Rede war. Vor allen Dingen stellte sich die Frage, ob der Planet Pluto wirklich ein Planet sei oder ob er "lediglich" ein besonders großer Vertreter dieses Planetoidengürtels jenseits der Neptunbahn ist. Im Jahre 2004 wurden dann zwei weitere große Planetoiden entdeckt: Sedna und Orcus. Beide sind ungefähr zwei Drittel so groß wie der Pluto und wegen der besonderen Umlaufbahn wurde die Sedna verschiedentlich als "10. Planet" bezeichnet.


Schematische Darstellung der neun Planeten mit Asteroiden-Gürtel


Schon damals war vermutet worden, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis ein solcher Planetoid größer als der Pluto entdeckt werden würde.

Ende Juli wurde nun die Entdeckung von drei weiteren Planetoiden bekannt gegeben, die alle drei größer als Sedna und Orcus sind; der größte von ihnen ist sogar größer als Pluto. Damit ist die paradoxe Situation aufgetreten, dass nun der größte bekannte Planetoid des Sonnensystems, der den vorläufigen Arbeitsnamen "Lila" bekam, größer als der Planet Pluto ist, obgleich beide derselben Planetoidengruppe angehören. Es ist aber problematisch, von einem "10.Planeten" zu sprechen, da sowohl in der Pluto- Gruppe als auch in der Sedna-Gruppe mit zahlreichen weiteren größeren Planetoiden zu rechnen ist, die nur aufgrund ihrer enormen Entfernung noch nicht entdeckt worden sind.

Wollte man sie alle als Planeten bezeichnen, so dürfte unser Sonnensystem in wenigen Jahren Hunderte von "Planeten" haben, was mehr Verwirrung stiften dürfte als es Klarheit schafft. Mit Vorteil wird man von den klassischen Planeten bis und mit Neptun einerseits sowie von Mitgliedern verschiedener äußerer Planetoidengürtel wie dem Pluto-Gürtel und dem Sedna-Gürtel andererseits sprechen. Da die Mitglieder dieser äußeren Planetoidengürtel oftmals sehr elliptische Bahnen haben, überlappen sie sich: So ist beispielsweise zur Zeit der neu entdeckte Planet "Lila" viel weiter entfernt als Sedna, obgleich er zur Pluto-Gruppe gehört.

von Ralf Kannenberg


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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von der NASA. Das Nutzungsrecht dieser Organisation besagt, dass ihre Bilder für Zwecke der Bildung frei verwendet werden dürfen.



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