Bau eines Insektenhotels

Vom Impuls zum fertigen Hotel

Von J. Meier
Als Besitzer eines Obst- und Gemüsegartens mit Gewächshaus kennt man sie und hat dauernd Kontakt mit ihnen, den meistens Unliebsamen. Sie umschwirren uns bei der Gartenarbeit, bei Mußestunden auf der Terrasse und lassen sich auf leckeren Kuchen und der Marmelade auf dem Frühstücksbrötchen nieder. Gemeint sind die Bienen, Wespen und ähnliches Getier aus der Insektenwelt. Die Wichtigkeit dieser kleinen Tiere übersehen wir oft. Auch ich, der Schreiber dieses Artikels, brauchte etwas länger, um ihnen näher zu kommen. Aufgrund unserer Liebe zum Garten lesen wir gern Magazine der heute wieder populären Themen der "Landlust", "Schönes Land" usw. In solchen Themenblättern taucht immer öfter der Bau eines Insektenhotels und seine Wichtigkeit auf. Von mir wurden diese "Dinger" am Anfang belächelt. Wir gehen auch gern auf Gartenschauen und Aktionstage bekannter Umweltverbände und siehe da, auch dort kann man sie bewundern. Manchmal etwas abgewetzt oder nicht mehr ganz in Ordnung, Regenwasser dringt durch undichte Dächer oder der Inhalt rutscht heraus. Der Heimwerker denkt dann: "Ha, das kann ich besser". Und das war es erst mal.

Dann kam der Griechenlandurlaub, unser erster Flug überhaupt, nach Samos, der Geburtsort des großen, weisen Pythagoras. In der kleinen Pension mit Familienanschluss entpuppte sich der griechische Hausherr (mit seiner deutschen Frau) als leidenschaftlicher Biogemüseanbauer mit Kenntnissen über "Effektive Mikroorganismen" kurz EM und hört, hört der Imkerei. Da waren sie wieder, die Bienen. Er betreibt die Imkerei auf natürliche biologische Weise.

In mehreren intensiven Gesprächen lernte ich vom ihm, wie wichtig die Insekten für die Natur eigentlich sind. Eindringlich schilderte er mir seinen mühevollen Kampf für die naturgemäße Imkerei und sagte zu mir: "Jürgen, wenn die Bienen und Wespen aufgrund von Herbiziden, Nahrungsmangel und aufgeräumter Natur sterben, haben wir Menschen bald weniger oder nichts mehr zu essen." Der Urlaub war zu Ende und der Alltag hatte uns wieder.

Dann kam der Impuls in Form einer Frage unserer guten Freundin Christina Ambach zu mir. "Sagen Sie mal, Herr Meier, kennen Sie etwas von Insektenhotels? Können Sie so etwas bauen?" Jetzt war er geweckt, der Ehrgeiz des Heimwerkers. "Na klar, kein Problem!" hörte ich mich sagen und es begann.

Von meinem Schwager bekomme ich regelmäßig Holzpaletten geliefert, die ich zu Anmachholz für unseren Ofen verarbeite. Besonders gute und stabile Exemplare hatte ich mir schon mal zur Seite gestellt. So eine Palette nahm ich mir vor und verpasste ihr einen rechtwinkeligen Schnitt.

Dann stellte ich sie aufrecht hin und es sah schon aus wie ein Haus. Eine zweite Palette habe ich für den eigenen Garten gleich mitgesägt. Nun ging es an die innere Aufteilung. Probehalber legte ich 2 Holzbohlen auf, um den Dacheindruck zu verstärken.

Inspiration zur inneren Fachaufteilung bekam ich vom Buchdeckel eines Buches aus dem Pala-Verlag mit dem Titel "Das Insektenhotel" (Autor Wolf Richard Günzel).

Die Seitenverstrebungen rechts und links der Palette wurden mit einem sogenannten Forstnerbohrer durchbohrt. Hier entstehen Unterkünfte für Marienkäfer. Unten hinein platzierte ich Kieferntannenzapfen und darüber recht locker eine Lage Heu. Die mittleren Palettenverstrebungen versah ich durchgängig von oben bis unten mit vertikalen Schlitzen von ca. 1 cm Breite für Schmetterlinge. Die Seiten verkleidete ich mit dünnen Presspappbrettern.

Im oberen Teil des Insektenhotels platzierte ich rechts und links der Schmetterlingsunterkunft 2 Gitterlochsteine, die ich an der Rückseite mit feuchtem Lehm verschloss. In die Hohlräume der Ziegel kamen verschiedene Pflanzenstängel. Dafür benutzte ich Schilf, Elefantengras und Bambusabschnitte auch Tonkinstäbe genannt. Das untere Drittel verfüllte ich mit Lehm, den ich anschließend mit einem dicken Zollnagel durchbohrte.

Nun sieht der Giebel schon recht wohnlich aus.

Noch eine Erklärung zu den Schmetterlingsschlitzen: Die obere Kammer habe ich innen mit Sägespänen und etwas lockerem Heu ausgelegt. Für die Füllung der Schmetterlingskammern gibt es verschiedene Vorschläge; die von Moos über Sägespäne und Heu bis zu stehenden Schilfrohrhalmen reichen.

Auf dem nächsten Foto erkennt man, wenn man genau hinschaut, die Version, die ich gewählt habe. Für die untere Kammer habe ich mich für stehende Schilfrohrhalme entschieden. Diese habe ich etwas länger gesägt und dann unter Spannung hineingeklemmt. Hier sieht man auch den Baufortschritt im unteren Bereich. Alle Holzstücke, außer den beiden großen Halbrundblöcken, stammen aus dem eigenen Brennholzlager. Die beiden Blöcke sind ein Stammabschnitt eines beim Sturm umgeworfenen Walnussbaumes.

Aus einem Baumarkt besorgte ich mir eine kleine Rolle Bambusmatte, die ich ganz eng gewickelt und mit einer Handkreissäge in 2 Stücke gesägt habe. Die Rollen wurden nochmals mit Draht umwickelt und dann zwischen die Hölzer platziert. Rechts und links erkennt man sehr schön das angetackerte Drahtgewebe zum Schutz des Heues und der Tannenzapfen für die schon beschriebenen Kammern für Marienkäfer.

Nun folgt der etwas aufwendige Bau des Florfliegenheimes. Mit Querbrettern habe ich die verbliebenen 2 Dreiecksfächer nochmals unterteilt. Dann habe ich Draht davorgetackert.

In diese Hohlräume füllte ich das Stroh.

Dann wurde wieder getackert.

Sämtliche eingelegten Hölzer wurden nun mit Bohrungen von 2 - 10 mm Durchmesser und 50 - 100 mm Tiefe versehen (möglichst etwas schräg nach oben bohren, sagen die Bücher). Ich hoffe, dass die Wildbienen bzw. ihr Nachwuchs, es gibt sagenhafte 500 Arten, sich in diesen Brutröhren und hohlen Pflanzenstengeln wohlfühlen. Die vorher aufgelegten dicken Dachbohlen habe ich entfernt und durch dünnes Sperrholz ersetzt, welches beim Aufstellen wieder entfernt wurde.

Jetzt kommt die Füllung der beiden verbliebenen unteren Fächer. Dafür legte ich das Insektenhotel auf den Rücken. Für die Füllung habe ich Lehm aus einem Biobauladen mit etwas Quarzsand gemischt (ein Tipp des Bauladenbesitzers), damit der Lehm beim Trocknen nicht reißt. In den noch feuchten Lehm steckte ich hohle Halme und die Zwischenräume wurden mit einem Zollnagel durchbohrt.

Da sich die Lehmlöcher teilweise wieder zuzogen, bohrte ich sie nach dem Durchtrocknen mit einem Holzbohrer nach.

Jetzt noch einmal zurück zu den Florfliegenfächern. Aufgrund der mir vorliegenden Publikationen zum Thema "Insektenhotel" wird dort vorgeschlagen, die Strohfüllung mit schräggesetzten Brettlamellen zu verkleiden. Gesagt, getan! Auf flachen Kiefernleisten habe ich kleine Abschnitte von Kieferndreieckleisten und danach die flachen Lamellenbrettchen auf die Dreieckstückchen mit Heißkleber fixiert. Anschließend wurde jedes Lamellenbrettchen und jeder Dreieckskeil mit einem Holzbohrer durchbohrt, Holzleim in das Bohrloch gegeben und mit kleinen Holznägeln, in diesem Fall hölzerne Zahnstocher, durchstoßen.

Nach Trocknung der Lamellen wurde alles noch ein wenig verschliffen. Anschließend bekamen die Lamellen noch einen Anstrich in " terrakottarot". Die Bücher sagen, Florfliegen fliegen auf Rot.

Bei diesem Foto sieht man schon den nächsten Bauabschnitt, das Dach! Da das Insektenhotel schon ein ziemliches Gewicht erreicht hatte, entschied ich mich bei dem Dach für eine leichtere Bauweise. Aus dem Holzfachhandel besorgte ich mir sogenanntes Nadelsperrholz, welches ich mit untergeschraubten Leisten versteift habe.

Nun begann die Verkleidung der Dachkanten, der sogenannte Ortgang. Hierbei entschied ich mich nach reiflicher Überlegung für Birkenholzäste, die ich mit der Kappsäge halbierte.

Als Regenschutz habe ich eine handelsübliche, besandete Schweißbahn verwendet, die ich an den Rändern mit einem Heißluftföhn, Schraubzwingen und Hilfsleisten in Form gebracht habe. Anschließend wurde sie noch vernagelt. Die Übergänge zu der Birkenholzverkleidung verklebte ich mit dunkelgrauem Acryldichtstoff, in den ich im feuchten Zustand Quarzsand eingerieben habe. So erhielt ich einen schönen Übergang zur verwendeten Schweißbahn. An die unteren Dachenden kam jeweils noch ein abgewinkeltes Stück Kupferblech, welches ich mit 2 Schrauben am Dach befestigte.

Sämtliche zwischen den Hölzern verbliebene Zwischenräume wurden mit Kiefernholzwolle ausgestopft, in der Hoffnung, dass auch dort sich verschiedene Insekten häuslich einrichten.

Da das Dach noch nicht mit dem restlichen Insektenhotel verschraubt war, konnte ich es für den weiteren Transport nun wieder abnehmen. Der auf dem Bild unten links sichtbare Fahrradaufzug leistete dabei gute Dienste, denn fehlende Hände machen erfinderisch. Das Insektenhotel an sich war mit diesem Schritt vollendet.

Nun kamen die Standfüße an die Reihe. Dafür legte ich das Hotel auf die Seite und konnte so die 2 m langen Kanthölzer passgenau mit Auflageklötzen anpassen, durchbohren und verschrauben. An jeden Pfahl schraubte ich kräftige Auflageklötze, auf welche das Hotel später aufgesetzt werden kann. Oben und unten wurde es jeweils rechts und links mit kräftigen Bolzen festgeschraubt. Zwischen die Kanthölzer montierte ich Hilfshölzer für das Aufstellen des Ständers.

Aufbau des Insektenhotels am 10.04.2016

Nach wochenlangem Überlegen und Bauen (natürlich mit Unterbrechungen) ist er da, der Tag des Aufbauens. Sogar die Sonne lacht vom Himmel.

Auf dem Foto sieht man sehr gut den vor ca. 14 Tagen vorher einbetonierten Ständer. Man erkennt die Auflageklötze und die Hilfsquerleisten, die später entfernt wurden. Im Hintergrund wartet das Dach. Viele fleißige Hände greifen zu und die angeschraubten Trageleisten sind eine große Hilfe. Zum Schutz des Hotels hatte ich Pappe davor getackert, die später entfernt wurde.

Nun wird sich zeigen, ob alles passt! Es klappt und schon ist das Hotel an dem Tragepfosten verschraubt.

Ein letzter Kraftakt, das Dach wird aufgesetzt. Langsam, langsam! Am Ende schrauben wir das Dach noch fest.

Und nun, lieber Leser, ist es vollbracht!! Entspannung macht sich breit und alle freuen sich. Ganz besonders die "Impulsgeberin" mit ihrem lieben Mann.



Und was fehlt jetzt noch??? Die Insekten!!!!

…und die ließen nicht lange auf sich warten. Bei einem Kontrollbesuch am 6.5.2016, also ca. 4 Wochen nach dem Aufbau, waren schon zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent der Brutröhren belegt. Eine wunderbare Bestätigung das solche Insektenhotels gebraucht werden.


Zum Schluss noch zwei Schnappschüsse aus Nachbars Garten von Großinsekten, die kein Hotel benötigen.

Im Rhododendronbusch baute sich ein Hornissenvolk ein filigranes Nest rund um die Äste.







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