Blaue Bäume

von Ralf Kannenberg

Als ich Anfangs Mai in Israel mit dem Bus durch die Hafenstadt Haifa - das ist die zweitgrößte Stadt des Landes - fuhr, zeigte mir meine Frau einen Baum in blauen Blüten. Das sah ganz ungewohnt aus - wir kennen ja weißblühende, gelbblühende und auch rotblühende Bäume, aber einen blaublühenden Baum haben wir noch nie gesehen. Fliedersträucher schon, aber nicht einen Baum in der Größe eines Obstbaumes. Auf der Fahrt durch Haifa haben wir dann noch weitere von diesen herrlich schönen Bäumen gesehen und im Hotelgarten standen auch zwei dieser wunderbaren Bäume. Sie haben aus der Ferne kaum sichtbare zarte, gerispelte - genauer: doppelt gefiederte Blätter und volle Blüten aus hellblauvioletten glockenartigen Blütenblättern.

Jacaranda-Baum in Südafrika
Ich habe dann einmal nachgeschaut, was das denn für ein Baum ist und wurde bei Palisander-Baum (Jacaranda mimosifolia) fündig. Der Beiname mimosifolia heißt "mit mimosenartigen Blättern". Ursprünglich kommen diese Bäume aus dem tropischen und subtropischen Südamerika, vor allem aus Brasilien. Man versucht, das Holz dieses Baumes, das unter dem Namen Palisanderholz bekannt ist, anzubauen, da deren Holz wertvoll und schön gemustert ist. Vor allem jedoch werden diese Bäume wegen ihrer auffälligen Blütenpracht in vielen Regionen, die klimatisch geeignet sind, angebaut. Diese Blütenpracht, die noch dadurch verstärkt wird, dass die Blüten meistens vor den Blättern erscheinen, hält während rund zwei Wochen an.

Da der Palisander-Baum aufgrund seiner Frostempfindlichkeit nicht im Freien gedeihen kann, wird er manchmal als Zimmerpflanze angeboten. Er keimt auch gut, setzt aber leider erst zur Blüte an, wenn er eine Höhe erreicht hat, die ihn als Zimmerpflanze ungeeignet macht. Dennoch kann ich gut verstehen, dass manche es versuchen, denn diese blaue Blütenpracht ist wirklich wunderschön.

Der Palisander-Baum hat eine hellbraune Rinde, die im Alter rissig wird. Seine scheibenförmigen Früchte reifen dunkelbraun und haben geflügelte Samen.


Ich habe dann nicht schlecht gestaunt, als ich wieder zuhause in Zürich ebenfalls blaublühende Bäume entdeckt habe, die allerdings einen etwas rötlichvioletteren Farbstich haben und auch konvexe Blätter, also solche ohne Einbuchtung aufweisen. Die verzweigten Blüten bilden im April und Mai bis zu 40 cm hohe traubige Blütenstände mit über 5 cm langen glockenförmigen Blüten. Dieser Baum heißt naheliegenderweise Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa), genauer Chinesischer Blauglockenbaum. Weitere Exemplare konnte ich in der Nordwestschweiz und in Südbaden finden. Der Chinesische Blauglockenbaum stammt wie der Name schon nahelegt ursprünglich aus China und sein Holz wurde dort wegen der guten Eigenschaften gerne als Klangholz für Musikinstrumente verwendet. Auch der Korpus von Elektrogitarren und von Tischtennishölzern wird oftmals von diesem Holz gefertigt, in seiner Heimat auch Schuhsohlen und Sandalen. Den botanischen Namen hat er nach Anna Paulowna, der Gemahlin des niederländischen Königs Williams II., erhalten, weswegen er auch den Namen Kaiser-Paulownie oder Kaiserbaum trägt.

Der Blauglockenbaum hat eine glatte braungraue Rinde, bei jungen Bäumen mit sichtbaren Korkporen, bei alten Bäumen tun sich breite orangebraune Risse auf. Seine Früchte sind verholzte eiförmige Kapseln, die von grün zu braun reifen, an denen der Baum auch im Winter zu erkennen ist. Im Gegensatz zum Jacaranda mimosifolia hat er große herzförmige Blätter.

Blauglockenbäume sind in ihrer Jugend frostempfindlich und benötigen einen Winterschutz durch Einbinden in Stroh oder in Frostschutzmatten; die erfrorenen Triebe schneidet man im Frühling zurück und es erfolgt ein starker Neuaustrieb. Erwachsene Blauglockenbäume sind winterfest.

Quellenangaben:

  1. Naturführer Bäume, Allen Coombes, Verlag Dorling Kindersley; Jacaranda Seite 62, Paulownia Seite 205
  2. Bäume der Welt, Colin Ridsdale, John White, Carol Usher, Verlag Dorling Kindersley; Jacaranda Seite 332, Paulownia Seite 336
  3. Bäume & Sträucher, Bruno P.Kremer, Verlag Ulmer; Paulownia Seite 106
  4. Wikipedia


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