Seit jeher erzähle ich meinen Tieren Geschichten. Nach einer solchen Geschichte bekam ich von meinen Kühen die Antwort: „Und wieso engagierst du dich nicht für uns und unsere Hörner?“

Armin Capaul


Armin Capaul –
Ein ausserordentliches Engagement für die Kuh mit Horn

Ein Interview von Francine Bürki

Nach einer Fahrt über zum Teil sehr steile Wege erreichen wir den Hof „Valengiron“ – ein kleines Paradies. Einmal mehr bewundere ich Landwirte, die im Berggebiet ihre Betriebe bewirtschaften. Wie viel Arbeit und Engagement steckt auch im Heimet der Familie Capaul, die hier im rauen Klima einen Vorzeigebetrieb erschaffen hat. Die Capauls bewirtschaften 17 ha Land und 4,5 ha Wald, der für „erneuerbare Energie“ genutzt wird. Auch die Tiere (7 Kühe, 2 Gusti, 7 Kälber, 8 Ziegen mit 5 Gitzi, 19 Mutterschafe mit Jungen, 2 Esel, 2 Hunde, 3 Katzen, 4 Enten, 4 Hühner mit einem Hahn und im Sommer 2 Mast-Schweine) zeugen von der Vielfalt des Hofes Capaul.

Francine Bürki: Was bedeutet für dich „Bio“? Wieso bist du „Bio-Landwirt“?


Armin Capaul
Armin: Bio ist nur ein Wort. Die Bio-Landwirtschaft in ihren Grundsätzen ist jedoch die natürlichste und logischste Art der Landwirtschaft. Ursprünglich bin ich von den Indianer Nordamerikas inspiriert worden, die der Natur und allen Geschöpfen mit Liebe und Respekt begegnet sind. Auch bei unseren Vorvätern ging es im Wesentlichen noch darum, Nahrung für Mensch und Tier in Zusammenarbeit mit der Natur zu erarbeiten. Diese Grundsätze gehen heute immer mehr verloren.

Wie pflegst du deinen Boden?

Wichtig für mich ist, den Humus zu erhalten. Das mache ich mit Mist und sehr wenig Gülle. Der Mist ist quasi das Beschäftigungsprogramm für die Bodenlebewesen, die Würmer und Käfer, die den Boden gesund erhalten.

Ein grosses Thema sind für dich die Kuhhörner. Wieso?

Das Ur-Rind hatte Hörner. Unsere Nutztier-Rassen stammen alle von diesem Ur-Rind ab und haben genetisch bedingt auch Hörner. Zudem ist das Horn ein lebendiger Teil der Kuh, es fühlt sich warm an und wenn sich eine Kuh am Horn verletzt, blutet es stark! Wenn ein Horn z.B. von einem Steinschlag auf der Alp abfällt und der Hornpfropfen noch am Kopf ist, wächst das Horn wieder nach. Francine: Du engagierst dich seit 2 ½ Jahren für den Hörner-Franken. Die Stunden zählst du gar nicht mehr, die Korrespondenz füllt Wände voll Ordner.

Wieso machst du das und welche Reaktionen bekommst du?

Seit jeher erzähle ich meinen Tieren Geschichten über meine Erlebnisse, teile ihnen meine Gedanken mit, erkläre ihnen, wofür ich mich jeweils engagiere, worüber ich mich freue. Nach einer solchen Geschichte bekam ich von meinen Kühen die Antwort: „Und wieso engagierst du dich nicht für uns und unsere Hörner?“ Ich war betroffen und seither bin ich dran. Was die Reaktionen anbelangt, bin ich einfach nur erstaunt, wie viele positive Rückmeldungen und wie viel Unterstützung ich bisher erhalten habe. Im Moment läuft auch eine Plakat-Aktion, die unseren Bundesrat Johann Schneider-Ammann zitiert: „Mir gefallen Kühe mit Hörner grundsätzlich besser“. Mir wurde zugetragen, dass sich Herr Schneider-Ammann sehr über dieses Plakat gefreut hat.

Was sagst du zum Thema Biodiversität?

Biodiversität ist eine absolute Selbstverständlichkeit für einen Bio-Betrieb und sollte aus innerem Antrieb und Liebe zur Natur gelebt werden.


Kälbchen auf dem Hof der Capauls
Und zum Thema Antibiotika?

Ein Tierarzt wird bei mir nicht reich. Das einzige, was er machen muss, ist zwischendurch mal einen Nasenring bei einem jungen Muni einzusetzen. Sonst hat er selten etwas zu tun mit meinen Tieren. Ich füttere unsere Tiere mit Gras und Heu, Kraftfutter gibt es nicht. Wichtig ist mir zudem, dass ich zu all meinen Tieren eine gute Beziehung habe. Sie sind alle äusserst umgänglich und lieben es, gestreichelt zu werden – auch von unseren Besuchern.

Was gibst du deinen Mitmenschen auf den (Bio-)Weg mit?

Ich möchte den Menschen ein Vorbild sein, indem ich den Respekt und die achtsame Zusammenarbeit mit der Natur vorlebe. Die Landwirtschaftspolitik muss gründlich überdacht werden, kleine Betriebe müssen erhalten werden, um zu vermeiden, dass die Tiere und wir selber noch mehr Opfer des Fortschrittsglaubens werden. „Häbet Sorg zur Natur und unterschreibt die Petition für den Hörner-Franken“

Armin, ich danke dir herzlich für deine Zeit, dein Engagement und deine Gastfreundschaft. Ich bin tief beeindruckt. Ich wünsche euch weiterhin viel Kraft und Erfolg.

Interview Francine Bürki
Homepage Hornkuh von Armin Capaul: hornkuh.ch

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