Kreise im Kornfeld

Der Verfasser

Andreas Müller

Geboren 1976 im Saarland, Abitur an der Freien Waldorfschule Saarbrücken-Altenkessel, Diplom in Kommunikationsdesign an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar) in Saarbrücken. Seit seiner abschließenden Jahres-Facharbeit zum Thema Kornkreise 1993/94 beschäftigt er sich intensiv mit der Dokumentation und Erforschung der "mysteriösen Spuren im Korn". Er ist Gründer und Leiter des "ICCA - The International Crop Circle Archive" (internationales Kornkreis-Archiv) und untersuchte Kornkreisformation in Deutschland erstmals mit wissenschaftlichen Probenentnahmen und Laboranalysen. Er ist Autor zahlreicher Bücher zum Thema, tritt an internationalen Symposien auf und berät die Medien zum Thema.

Eine kleine Einführung

Sind die eigentümlichen Muster mehr als nur Schwindel? Dies behaupten Kornkreisforscher weltweit und präsentieren neue merkwürdige Theorien.

Milk Hill
409 Kreise bildeten den bisher größten Kornkreis auf über 50'000 Quadratmetern Fläche (was der Fläche von 15 Fussballfeldern entspricht). Entstanden ist er in der Nacht auf den 12. August 2001 auf Milk Hill in Wiltshire, England
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, Kornkreise seien ein Phänomen unserer Tage oder Stoff aus Märchen und Legenden, gibt es schon seit Jahrhunderten zahlreiche glaubhafte Berichte über derartige Formationen. Sogar die angesehene Wissenschaftszeitschrift "Nature" erwähnte bereits 1880 Kornkreise im englischen Surrey. Die Entstehung der teilweise hoch komplexen, sich in kürzester Zeit bildenden geometrischen Muster in Kornfeldern allerdings blieb bislang weitgehend rätselhaft.

"Die Kornkreise selbst sind keine Glaubensfrage. Jeder kann sie sehen, begehen, untersuchen und erleben. Sie sind Teil unserer physisch realen - und somit objektiv für jeden - erfahrbaren Welt."

Wohlfeile Erklärung

Schnell fanden viele Medien in selbstbekennenden Fälschern eine einfache, wenn auch die Tatsachen vernachlässigende Lösung. Doch nach Gerald Hawkins, einem emeritierten Mathematiker und Astronom aus Boston, können die komplexen Geometrien der Figuren unmöglich in den wenigen Stunden der Dunkelheit in Feldern konstruiert werden. Sie basierten, so Hawkins 1992 in der Zeitschrift "Science News", auf komplizierten Gesetzen der euklidischen Geometrie.

Hinweise auf übernatürliche Phänomene

Wissenschaftliche biologische und physikalische Analysen stützen die Annahme der Kornkreis-Forscher, dass zahlreiche Kreise nicht menschengemacht sein können. William Levengood vom "Pinelandia Biophysical Laboratory" in Michigan fand an den Pflanzenproben eindeutige Deformationen, die so noch nie in von Menschenhand angelegten Kreisen gefunden worden seien. Einige der festgestellten Veränderungen, wie etwa geplatzte oder deutlich ausgedehnte Wachstumsknoten, konnten im Labor durch Mikrowellenbestrahlung erzeugt werden. In anderen Fällen fand sich auf Boden und Halmen eine glasurartige Eisenoxid-Schicht, welche in dieser Form wohl nur durch Temperaturen von über 500 Grad Celsius entstehen kann.

Ließ ein Hitzeblitz den Boden schmelzen?

Cliffords Hill
Kornkreise als Treffpunkt für Interessierte und Forscher (Cliffords Hill, Wilts. England, 2001)
Dies bestätigt eine Studie im Auftrag von Nancy Talbott, Präsidentin der Forschungseinrichtung "BLT Research Team Inc." in Cambridge, Massachusetts. Dabei wurden Bodenproben aus einer kanadischen Kornkreisformation und Kontrollproben aus deren Umgebung einer Analyse unterzogen. Die Proben sind nachweislich stärker kristallin strukturiert, was entweder unter Hitzeeinfluss oder enorm hohem geologischem Druck möglich ist. Da Letzteres ausgeschlossen werden kann, komme vor allem Hitzeeinwirkung in Betracht. Da aber unwahrscheinlich sei, dass in der Natur über mehrere Stunden unbemerkt derart hohe Temperaturen aufträten, vermuten die Forscher eine deutlich intensivere, zugleich nur für Nanosekunden (millionstel Sekunden) dauernde große Hitzeeinwirkung.

Elektrisch geladene Luftmassen

Als Entstehungsgrund wird ein mysteriöser "Plasma-Wirbel" angenommen - eine Art elektrisch geladenes Wirbelsystem. Diese Ursache könnte auch die bereits zahlreich dokumentierten Lichtphänomene über Kornkreisen erklären, so Terence Meaden, Gründer des "Journal of Meteorology": Denkbar wäre, dass mitgeführte Teilchen aufgrund des so genannten "triboelektrischen Effekts" durch Reibung statische Elektrizität erzeugen, dadurch die wirbelnde Luftmasse ionisert (elektrisch aufladen) und so das Leuchten über die Felder zaubern.

Kornkreise sind gut dokumentiert

Besonders eindrucksvoll war der im August 2001 im englischen Wiltshire entstandene Gigant aus 409 Kreisen auf einer Fläche von rund 50 000 Quadratmetern. Vermutlich kommen zu den mehr als 4000 bisher in über 50 Ländern dokumentierten Kornkreisen alljährlich 150 bis 300 neue Formationen rund um den Globus hinzu. Die faszinierenden Formen des vermeintlichen Naturphänomens werden also weiterhin Gegenstand der Forschung bleiben - und kontroverser Diskussionen.

Kornkreise sind sicherlich eine Provokation für einige - aber eine faszinierende und zugleich herausfordernde Einladung an und für uns alle. Dies verstehe ich als Chance für eine Verbindung von Grenz- und Naturwissenschaften.

von Andreas Müller, mit freundlicher Genehmigung übernommener Text von der
Website: www.kornkreise-forschung.de

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