Die Arbeit läuft nicht davon,
während du dem Kind
einen Regenbogen zeigst.

Östliche Weisheit


Der Regenbogen

Der Regenbogen gilt als eine der schönsten Erscheinungen am Himmel. Noch donnert das Gewitter und Regen prasselt nieder. Auf einmal öffnet sich die Wolkenwand, gleißendes Sonnenlicht blendet uns beinahe. Und unverhofft steht er am Himmel und versetzt uns in Staunen. Wenn ich solch einen Regenbogen sehe, spüre ich, dass mir der Himmel ein wohlwollendes Zeichen gibt. Ich bedenke meine tiefen Anliegen und merke, dass es ein gutes Omen ist für das, was ich gerade getan habe oder zu tun beabsichtige. Es kann für mich aber auch ein Zeichen für eine Veränderung oder für einen Neuaufbruch sein.


Doppelbogen


Entstehung und Naturgesetze

Gerne beobachte ich den Himmel und die verschiedenen Wolken und Farben an ihm. Als Kind war es das einfache Staunen und die Freude, bald wollte ich die Phänomene naturwissenschaftlich verstehen. Warum ist die Natur genau so, dass wir so etwas Wunderbares wie den Regenbogen sehen können? Die Natur zeigt uns direkt ihre Geheimnisse: Die Farben des Regenbogens entstehen alle aus demselben, weißen Sonnenlicht. Dieses Phänomen können wir beim Regen, aber auch bei Wasserfällen und Springbrunnen gleichermaßen beobachten.

Prisma

Strahlengang im Regentropfen

Die Tropfen des Regens teilen das weiße Licht in alle Regenbogenfarben auf. Also muss das violette Licht eine andere Eigenschaft haben als das Rote: Das violette Licht ist von kurzer Wellenlänge, das Rote von langer.

Doppelbogen

Von Violett, Indigo, Blau, Grün, Gelb, Orange zu rotem Licht nimmt die Wellenlänge ab. Die Wellenlänge ist sehr klein und wird in millionstel Millimeter = Nanometer (nm) gemessen. Wenn nun das Licht auf die Wassertropfen fällt, wird es an der kugelförmigen Oberfläche abgelenkt, d.h. optisch "gebrochen". Die violetten kurzwelligen Strahlen werden dabei stärker gebrochen als die langwelligen roten Strahlen. Diesen Vorgang können wir sehr gut an einem Prisma beobachten, wie es oben stehende Abbildung zeigt. Die Regenbogenfarben werden auch Sonnenspektrum genannt.

Lichtstrahl 1x reflektiert Die Wassertropfen des Regens sind kugelförmig und nicht eckig wie ein Prisma. So wird das Sonnenlicht nicht nur einmal, sondern zwei- oder gar dreimal gebrochen. Zuerst wird es beim Eintritt in den Tropfen gebrochen, dann an der anderen Seite des Tropfens zurückgespiegelt - reflektiert - und verlässt schließlich den Tropfen - nochmals gebrochen - wieder in etwa derselben Richtung, wo er hergekommen ist. Die Abweichung vom einfallenden Lichtstrahl ist 42 Grad (°), also etwas weniger als die Hälfte vom rechten Winkel. Dieser Winkel gilt für das rote Licht, das violette Licht wird stärker abgelenkt, nämlich um 40°. Der Regenbogen bildet also einen Kreisbogen um den Punkt, der von uns aus gesehen genau gegenüber der Sonne liegt, der Punkt, wo der Schatten unseres Kopfes hinfällt. Dies ist der sogenannte Sonnengegenpunkt. Das rote Farbband erscheint zu äußerst mit einem Winkel von 42°, nach innen folgt das ganze Farbspektrum bis hin zu blau, das in einem Kreisbogen von 40° erscheint.

Lichtstrahl 2x reflektiert Ab und zu bildet sich außerhalb des Regenbogens ein zweiter, blasserer Bogen, der sogenannte Nebenregenbogen. Er kommt dadurch zustande, dass bei ihm das Licht zweimal reflektiert wird. Da bei der Reflektion Licht verloren geht, erscheint er blasser. Die Farben sind nun in der anderen Richtung angeordnet, rot innen und violett außen. Denn bei jeder Reflektion wird die Richtung des gebrochenen Lichts geändert, was nebenstehende Abbildung zeigt. Der Nebenbogen hat einen Radius von 51°.

Jetzt wissen wir also, wann und wo wir einen Regenbogen suchen müssen. Immer wenn es regnet und die Sonne seitlich auf die Regentropfen scheint, entsteht er genau der Sonne gegenüberliegend. Die größten Regenbögen können wir bei Sonnenauf- und -untergang sehen - dann kann sich der Bogen zum vollen Halbkreis entwickeln. Sobald aber die Sonne höher als 42° steht, kann sich kein Regenbogen mehr bilden, weil dann selbst der oberste Rand des Bogens unter den Horizont rutscht.

Verfasser: Markus Schmid, Bilder aus www.wikipedia.de/pixelquelle.de


Der Regenbogen - Inspiration für Menschen und Kulturen

Iguacu
Der Regenbogen der Guaraní-Indianer, Iguaçu. Das "Große Wasser" zwischen Brasilien und Argentinien bezaubert durch seine Farbenpracht in Morgen- und Abendsonne.
Der Regenbogen ist von jeher ein wichtiges Element zahlreicher Mythologien und auch Religionen über alle Kulturen und Kontinente hinweg. Er nimmt dabei häufig die Rolle eines Mittlers bzw. einer Verbindung zwischen Götter- und Menschenwelt wahr. Dabei ist es wohl schwerer eine Mythologie zu finden, in der der Regenbogen keine Rolle spielt, als umgekehrt. Dies ist besonders dahingehend bemerkenswert, dass es zwischen vielen von ihnen keinerlei Kontakte gab und sie sich daher völlig eigenständig entwickelt haben müssen.

"Du kannst den Regenbogen nicht haben,wenn es nicht irgendwo regnet"
Pueblo-Indianer

Die australischen Ureinwohner, die Aborigines, verehren in ihrer Schöpfungsgeschichte eine Regenbogenschlange als den Schöpfer der Welt und aller Lebewesen. Die chinesische Mythologie deutete den Regenbogen als einen Riss im Himmel, der von der Göttin Nüwa mit farbigen Steinen versiegelt wurde. Die griechische Mythologie sah ihn als Verbindungsweg, auf dem die Göttin Iris zwischen Himmel und Erde reist. Bei den Inka vertrat der Regenbogen die Erhabenheit der Sonne.

Im Alten Testament der Bibel ist der Regenbogen ein Zeichen des Bundes, den Gott mit Noach und den Menschen schloss. Der Regenbogen als Zeichen des Friedens zwischen Mensch, Natur und Gott nimmt damit eine altorientalische Tradition auf, nach der das Phänomen als abgesenkter, also nicht schussbereiter Bogen Gottes interpretiert wurde:

"Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe." (1. Mose 9, 14-15)

Die Vorstellung des Regenbogens als eines in die Wolken gehängtem göttlichen Kriegsbogens ist sehr alt. Es findet sich bereits in der assyrisch-babylonischen Mythologie. In der babylonischen Schöpfungsgeschichte Enuma elisch wird davon erzählt, dass der Schöpfergott Marduk das Leben auf der Erde ermöglichte, indem er die Urflut, die Göttin Tiamat, tötete. Dieser Kampf geschah mit einem Bogen. Um das dauerhafte Bestehen der Schöpfung zu gewährleisten, nahm der höchste Gott, der Himmelsgott Anu, den Bogen Marduks und setzte ihn als "Bogenstern" an den Himmel. Im babylonischen Mythos wird der Bogen vergöttlicht: Der Bogen am Himmel ist in der altorientalischen Vorstellungswelt also ein kriegerisches Symbol für die göttliche Macht, Störungen auf der Erde zu bekämpfen und zu besiegen und so das Leben zu sichern.

Im griechisch verfassten Neuen Testament kommt der Regenbogen in der Offenbarung 10,1 vor. Es erscheint ein Engel mit einem Buch vom Himmel herab, er ist in eine Wolke gehüllt und über seinem Kopf ist ein Regenbogen. Das griechische Wort für diese Erscheinung heißt "Iris". Wichtig daran ist die schillernde Farbenpracht, die Himmel und Erde verbindet. Das griechische Wort bezeichnet neben dem Regenbogen auch ganz allgemein einen farbigen Ring (oder Halbring). In der Tradition findet sich das Symbol auf Ikonen und in der Malerei. Der Regenbogen symbolisiert hier die Göttlichkeit Christi. Seit dem 12. Jh. wird auch Maria in einem Regenbogen oder auf einem Regenbogen sitzend dargestellt und dadurch ihre Heiligkeit zum Ausdruck gebracht.

Dieses Motiv als göttlicher Bogen existiert ursprünglich in der indischen Mythologie. Hier nutzt Indra den Regenbogen, im Sanskrit als Indradhanush bezeichnet, um die Dämonenschlange Vritra mit Blitzen zu töten. Indra ist in der vedischen Religion der Gott des Himmels, des Sturmes und des Regens.


"Du kannst sehen,
wo der Regenbogen die Erde berührt,
aber bis Du dort eintriffst,
ist er weitergezogen.
Wer könnte den Regenbogen besitzen?"

Navaho, nordamerikanischer Indianeranführer

Iguacu


Bilder mit freundlicher Genehmigung von Sabine Mrosek, WTT Europe
Text verändert aus www.wikipedia.de, Regenbogen, Abschnitt "Rolle in Religion und Mythologie"

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